Tödliche Droge erreicht Deutschland: Fentanyl auf dem Vormarsch

Bis vor kurzem war das Opioid Fentanyl vor allem aus den USA als gefährliche Droge bekannt. Doch nun zeigen Stichproben, dass es auch in Deutschland angekommen ist. Der mögliche Hintergrund: Die Verknappung der Heroinproduktion durch die Taliban in Afghanistan.

Hamburg: Ein neuer Hotspot

Ein Blick auf die Rückseite des Hamburger Hauptbahnhofs offenbart das Ausmaß des Problems. In einem kleinen Park liegen Obdachlose und Drogenabhängige oft schlafend oder weggetreten auf dem Boden. Der Sicherheitsdienst und Helfer versuchen, ihnen zu helfen oder sie wegzuschicken. Viele finden ihren Weg zum nahegelegenen „Drob Inn“, einer Einrichtung der Drogenhilfe mit speziellen Konsumräumen. Dort können Abhängige straffrei Drogen konsumieren und finden saubere Spritzen sowie soziale Unterstützung.

Erste Fälle in Deutschland

In einer ersten Stichprobe hat die Deutsche Aidshilfe, gemeinsam mit Partnern, Heroin in 18 Einrichtungen untersuchen lassen. Die Ergebnisse sind alarmierend: Zwischen März und August 2023 wurde in sieben Städten Fentanyl als Beimengung zu Heroin gefunden. Besonders betroffen sind Hamburg, Düsseldorf und Münster. Aber auch in Berlin, Frankfurt, Hannover und Wuppertal gab es positive Tests.

Holger Wicht von der Deutschen Aidshilfe warnt: „Fentanyl ist schon in kleinen Mengen tödlich.“ Das Risiko einer Überdosierung ist hoch, da die Konsumenten oft nicht wissen, dass ihr Heroin mit Fentanyl versetzt ist. Im Jahr 2022 gab es 83 Tote durch synthetische Opioide in Deutschland.

Fentanyl: Fünfzigmal stärker als Heroin

Fentanyl ist ein synthetisches Opioid, das fünfzigmal stärker wirkt als Heroin und hundertmal stärker als Morphin. Ursprünglich als Schmerzmittel in der Palliativmedizin eingesetzt, kann bereits eine Dosis von zwei Milligramm tödlich sein. „Für Laien ist es in seiner Reinform nicht dosierbar“, erklärt Ingo Schäfer vom Zentrum für Suchtmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf.

Herstellung und Verbreitung

Die Herstellung von Fentanyl ist einfach und die Grundprodukte können illegal über das Internet bestellt werden. Viele Chemikalien stammen aus China, und auch mexikanische Kartelle treiben den Handel voran. Die Droge kann aufgrund der geringen benötigten Mengen leicht geschmuggelt und per Post verschickt werden.

Ein möglicher Grund für die Zunahme von Fentanyl in Europa könnte das Anbauverbot für Schlafmohn durch die Taliban in Afghanistan sein. Der „Afghanistan Opium Survey 2023“ berichtet, dass Anbau und Export von Schlafmohn um 95 Prozent gesunken sind. Dies könnte zu einer Verknappung von Heroin führen, die durch das billig herzustellende Fentanyl ausgeglichen wird.

Die Opioid-Krise in den USA

In den USA hat die Verbreitung synthetischer Opioide eine Krise ausgelöst. Städte wie San Francisco und Philadelphia sind von unter Drogen stehenden Menschen geprägt. Überdosierungen sind die häufigste Todesursache bei Menschen zwischen 19 und 45 Jahren. In sozialen Medien berichten Jugendliche über ihre Fentanyl-Abhängigkeit und Eltern posten Trauervideos ihrer verstorbenen Kinder.

Unterschiede in Deutschland

Experte Schäfer betont, dass die Situation in Deutschland anders ist. In den USA wurden Opioide über Jahrzehnte unkritisch bei einer Vielzahl von Schmerzen verschrieben, was zu Abhängigkeiten führte. In Deutschland ist dies nicht der Fall, dennoch müsse man vorbereitet sein. Die Deutsche Aidshilfe fordert eine breitere Bereitstellung von Naloxon, einem Notfallmedikament, das einen tödlichen Atemstillstand bei Überdosierung verhindern kann.

Fazit

Fentanyl hat seinen Weg nach Deutschland gefunden und stellt eine ernsthafte Gefahr dar. Die Verknappung von Heroin und die einfache Herstellung von Fentanyl könnten das Problem verschärfen. Es ist dringend notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung der tödlichen Droge zu verhindern und Betroffenen zu helfen.

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