Die drei Scherbenhaufen der AfD: Ein Blick hinter die Kulissen vor den Landtagswahlen

Die AfD strebt vor den Landtagswahlen an, professioneller und bürgerlicher zu wirken – wie eine Partei, der man das Regieren zutraut. Doch das gelingt ihr nicht, und die Gründe dafür sind vielfältig.

Scherbenhaufen EU-Parlament

Auf den ersten Blick sah es nach einer guten Nachricht für die AfD aus: neue Partner auf EU-Ebene gefunden. Dies war dringend notwendig, nicht nur wegen des Einflusses, sondern auch wegen des Geldes, das die Fraktionszugehörigkeit bringt. Nach dem Rauswurf aus der Rechtsaußenfraktion „Identität und Demokratie“ benötigte die AfD eine neue Fraktion.

Während ihres Bundesparteitags in Essen kam die Nachricht: Victor Orbán will eine neue Rechtsaußen-Fraktion gründen. Doch wieder war es Marine Le Pen, die der AfD einen Strich durch die Rechnung machte. Le Pen wollte nichts mit dem AfD-Spitzenkandidaten Maximilian Krah zu tun haben. Die neue Fraktion „Patrioten für Europa“ ließ die AfD außen vor, während sich dort Parteien wie Orbáns Fidesz, die österreichische FPÖ und die italienische Lega versammelten.

Übrig blieb für die AfD die Gründung der Fraktion „Europa souveräner Nationen“, bestehend aus kleinen, oft neuen Parteien ohne Regierungsaussichten. Trotz der Forderung von AfD-Co-Chefin Alice Weidel, „keine Antisemiten“ zuzulassen, gibt es Mitglieder mit fragwürdigen Ansichten, wie Milan Uhrik von der slowakischen Partei Republica, der den Holocaust 2017 „weder gutheißen noch missbilligen“ konnte. Innerhalb der eigenen Reihen sorgt dies für Unmut, wie ein ehemaliges Fraktionsmitglied anmerkte: „Im EP jetzt doch eine reine Extremistenfraktion unter AfD-Leitung.“ Die AfD mag die wichtigste Partei innerhalb ihrer neuen Fraktion sein, doch von den großen Playern in Europa ist sie isoliert wie nie zuvor.

Scherbenhaufen Höcke

Björn Höcke, einst der Shootingstar der AfD, steht vor internen Schwierigkeiten. Beim Bundesparteitag in Essen trat er nur einmal ans Mikrofon – ohne Erfolg. In seinem Thüringer Landesverband gelingt es ihm nicht, seine Mitglieder hinter sich zu vereinen. Der Höhepunkt: Zwei Direktkandidaten für den Landtag wurden gewählt, passten aber dem Landesvorstand um Höcke nicht. Nach einer gerichtlich gewonnenen Neuwahl verweigerte der Wahlausschuss die Zulassung zur Landtagswahl. Nun steht die AfD in zwei von drei Wahlkreisen des Wartburgkreises ohne Direktkandidaten da.

Scherbenhaufen Radikalität

Die AfD-Politiker Höcke und Weidel träumen von hohen Ämtern, doch ihre Radikalität steht im Weg. Höcke will Ministerpräsident von Thüringen werden, träumt von der absoluten Mehrheit, aber regieren könnte er nur in einer Koalition – und das scheint unmöglich. Alice Weidel, die 2025 als Kanzlerkandidatin antreten will, steht vor ähnlichen Problemen. Um das zu ändern, müsste sie sich wie Le Pen in Frankreich zur Mitte bewegen, um anschlussfähig zu sein. Doch die Radikalität der AfD verhindert dies.

Tino Chrupalla, Weidels Co-Vorsitzender, hat keine Ambitionen auf das Kanzleramt und überrascht durch das Fehlen von Ministerpräsidentenplänen für Sachsen. Trotz Behauptungen, die AfD sei professioneller geworden, zeigen sich Risse. Die Einigkeit geht in Richtung extrem rechts, was sich momentan nicht mit dem Traum vom Regieren verträgt – egal auf welcher Ebene.

Fazit

Die AfD kämpft an mehreren Fronten mit Problemen. Auf EU-Ebene ist sie isoliert, in Thüringen verliert Höcke an Einfluss und auf Bundesebene verhindern radikale Tendenzen größere Wahlerfolge. Vor den Landtagswahlen steht die Partei vor großen Herausforderungen, die ihre Regierungsfähigkeit ernsthaft infrage stellen.

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