Überlastung der Gefängnisse: Einlassstopp in der Justizvollzugsanstalt – Deutschlands Justiz am Limit

In deutschen Gefängnissen wird es immer enger. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten schlägt Alarm: Dramatischer Personalmangel und steigende Arbeitsbelastung setzen den Justizvollzugsanstalten zu. Ein Blick hinter die Gefängnismauern zeigt, wie prekär die Lage wirklich ist.

Ein Blick in die Zellen: Alltag in der JVA Münster

Andreas Doller, Justizvollzugsbeamter in der JVA Münster, kontrolliert die Zelle genau. Eine Rangelei zwischen zwei Insassen, ausgelöst durch einen Streit um Tabak, fordert seine Aufmerksamkeit. Mit argwöhnischem Blick sucht er nach verdächtigen Gegenständen. „Keine Schicht ist wie die andere, der Job ist fordernd und auch gefährlich“, erzählt Doller, der seit 2011 in der JVA Münster arbeitet. Besonders herausfordernd sei der Umgang mit psychisch auffälligen Inhaftierten. „Manchmal drücken mehrere Insassen permanent den Lichtruf, weil sie gar nicht verstehen, wo sie sind. Oder sie reiben sich mit Exkrementen ein und sind aggressiv. Das erfordert einen intensiveren Personaleinsatz.“

Personalnotstand: Jeder Beamte betreut 35 Gefangene

In Deutschland gibt es etwa 55.700 Strafgefangene, davon rund 14.000 in Nordrhein-Westfalen. In diesem Bundesland betreut ein Vollzugsbeamter durchschnittlich 35 Häftlinge im geschlossenen Erwachsenenvollzug. In der JVA Münster ist die Situation ähnlich. Anstaltsleiter Carsten Heim bestätigt, dass es offene Planstellen gibt, die schwer zu besetzen sind. „Wenn sich jemand vorstellt, dass er jeden Tag bespuckt, beschimpft und sein Auto angezündet wird, bewirbt sich niemand mehr“, sagt Heim. Ein Job mit Herausforderungen, die nicht jeder bereit ist anzunehmen.

900 unbesetzte Stellen in NRW

Achim Hirtz, stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD), fordert dringend Maßnahmen zur Personalaufstockung. Rund 900 Planstellen im Strafvollzug in Nordrhein-Westfalen sind momentan unbesetzt. „In Abteilungen mit 50 bis 60 Inhaftierten ist oft nur ein Kollege zuständig. Das erschwert die Resozialisierung, insbesondere bei psychisch auffälligen Gefangenen,“ erklärt Hirtz. Eine schwierige Aufgabe, die viel Geduld und Engagement erfordert.

Bremen: Mehr Gefangene als Plätze

Das Problem beschränkt sich nicht nur auf Nordrhein-Westfalen. In Bremen sind derzeit mehr Gefangene inhaftiert als Plätze vorhanden. Am 14. Juni waren 723 Gefangene verzeichnet, obwohl offiziell nur Platz für 717 ist. Ein Appell von Staatsrat Björn Tschöpe an die Bremer Staatsanwaltschaft soll Abhilfe schaffen: Bis Mitte Oktober sollen keine neuen Häftlinge aufgenommen werden, die wegen nicht gezahlter Geldstrafen verurteilt wurden. Eine Maßnahme, die zumindest kurzfristig die Situation entspannen soll.

Konflikte unter den Insassen

Auch andere Maßnahmen wie die Doppel- oder Dreifachbelegung von Zellen sind ausgeschöpft. Die Überbelegung führt zu häufigeren Auseinandersetzungen unter den Gefangenen. Bremen verhandelt nun mit Niedersachsen, um Häftlinge zu verlegen. Die angespannte Lage sorgt für eine gereizte Stimmung im Haftalltag. Andreas Doller aus der JVA Münster fordert daher höhere finanzielle Zuschläge am Wochenende und hofft auf gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten, um die Probleme zu lösen.

Fazit: Ein kühler Kopf ist gefragt

Die Situation in deutschen Gefängnissen ist alarmierend. Personalmangel und Überbelegung fordern ihren Tribut. Ein kühler Kopf und ein gemeinsames Vorgehen sind nötig, um die Herausforderungen zu meistern. Nur so kann der Strafvollzug seinen gesetzlichen Auftrag erfüllen und den Gefangenen eine Chance auf Resozialisierung bieten. Bis dahin bleibt der Alltag hinter Gittern eine harte Probe für alle Beteiligten.

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