Das gefährliche Geschäft mit den Standortdaten: Spionage leicht gemacht

In einer digital vernetzten Welt hat die Bedeutung von Datenschutz eine neue Dimension erreicht. Doch wie sicher sind die Standortdaten, die unsere Smartphones täglich erfassen? Recherchen von BR und netzpolitik.org enthüllen alarmierende Details: Fremde Staaten können Mitarbeitende deutscher Sicherheitsbehörden mit erschreckender Präzision ausspähen. Willkommen im gefährlichen Geschäft mit den Standortdaten.

Hightech-Spionage durch Smartphone-Apps

In den Recherchen fanden sich Daten, die intime Details über Personen verraten, die für die Bundesregierung arbeiten. Diese Informationen umfassen nicht nur ihre Wohnorte und Arbeitszeiten, sondern auch ihre täglichen Routen und sogar ihre bevorzugten Restaurants und Einkaufsläden. Diese Bewegungsprofile basieren auf einem umfangreichen Datensatz eines kommerziellen Datenhändlers, der von BR und netzpolitik.org analysiert wurde.

3,6 Milliarden Standortdaten im Umlauf

Die Daten umfassen 3,6 Milliarden einzelne Standortinformationen aus Smartphone-Apps, die an Dritte weiterverkauft werden. Diese Daten ermöglichen es, detaillierte Bewegungsprofile zu erstellen – und zwar von Millionen Menschen in Deutschland. Besonders brisant: Unter den Betroffenen befinden sich auch Spitzenbeamte, Soldaten und Nachrichtendienstler. So können fremde Staaten Mitarbeitende deutscher Sicherheitsbehörden gezielt ausspähen.

Ein Sicherheitsproblem von nationaler Bedeutung

Konstantin von Notz, Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) des Bundestags, beschreibt das Problem treffend: „Wenn man weiß, wie Menschen sich verhalten und bewegen, dann sind sie ausspionierbar.“ Sein Stellvertreter, der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter, warnt ebenfalls vor einem „extrem hohen“ Spionagerisiko durch russische, chinesische und iranische Einflussoperationen. Durch kommerziell gehandelte Daten entstehen gefährliche Einfallstore für Spionage.

Spionagefälle in Deutschland

In den letzten Jahren wurden mehrere Spionagefälle in Deutschland öffentlich, darunter am NATO-Truppenübungsplatz in Grafenwöhr und beim Bundesnachrichtendienst. Die analysierten Daten enthielten tausende Datenpunkte aus sicherheitsrelevanten Bereichen. Trotz der Brisanz dieser Informationen verweigerten Bundesnachrichtendienst und Bundesamt für Verfassungsschutz jegliche Stellungnahme.

Die Herkunft der Daten

Die analysierten Daten stammen aus Smartphone-Apps, deren Standortdaten über die Online-Plattform Datarade gehandelt werden. Diese Plattform, mit Sitz in Berlin, bietet Daten von Wetter-, Navigations-, Gaming- und Dating-Apps zum Kauf an. Unternehmen nutzen diese Daten meist für personalisierte Werbung. Doch die Auswirkungen gehen weit darüber hinaus.

Rechtliche Grauzonen

Louisa Specht-Riemenschneider, Professorin für Datenrecht und Datenschutz, betont die Schwierigkeiten europäischer Behörden, gegen außerhalb der EU agierende Datenhändler vorzugehen. Sie spricht von einer „Regulierungslücke“, die dringend vom Gesetzgeber geschlossen werden muss.

Fazit: Ein globales Problem

Das Geschäft mit Standortdaten wird weiter florieren, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Solange es keine schärferen Regulierungen gibt, bleiben die Daten von Millionen Menschen, einschließlich sicherheitsrelevanter Personen, eine begehrte Ware auf dem Datenmarkt. Für einige tausend Dollar sind Standortdaten von Menschen weltweit als monatliches Abo erhältlich – stündlich aktualisiert. Bleiben Sie also wachsam und hinterfragen Sie, welche Daten Ihre Apps wirklich sammeln.

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