Zinsen im Sinkflug: Sparer jammern, Schuldner staunen

Seit die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni den Leitzins gesenkt hat, beobachten wir ein Phänomen, das zumindest einigen Sparern sauer aufstoßen dürfte. Während die Zinsen auf Tages- und Festgeldkonten sinken, bleiben die Kreditzinsen für Schuldner stabil oder steigen sogar. Willkommen in der wunderbaren Welt der Geldpolitik, wo alles möglich ist – außer, dass Sparer und Schuldner gleichermaßen profitieren.

Was ist passiert?

Die EZB hat im Juni erstmals seit Jahren die Leitzinsen gesenkt, genauer gesagt die sogenannte Einlagefazilität. Diese wurde von 4,0 auf 3,75 Prozent reduziert. Klingt erst einmal gut für alle, die Geld bei der Bank parken wollen. Doch Vorsicht, der Teufel steckt im Detail. Denn während Banken ihre überschüssige Liquidität jetzt wieder gewinnbringend bei der EZB parken können, senken sie gleichzeitig die Zinsen für Sparer.

Sinken der Sparzinsen: Einmal hin, alles drin

Laut einer Analyse des Vergleichsportals Verivox zahlen überregionale Banken im Schnitt 1,69 Prozent Zinsen auf Tagesgeldkonten – Anfang Juni waren es noch 1,72 Prozent. Bei Sparkassen und regionalen Genossenschaftsbanken sind die Zinsen noch niedriger: 0,62 und 0,64 Prozent. Das ist fast schon ein Trauerspiel, aber halt: Es gibt auch gute Nachrichten! Die Zinsen auf Tages- und Festgelder seien laut CHECK24 immer noch „auf einem attraktiven Niveau“. Naja, Attraktivität liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters.

Die traurige Wahrheit: Guthaben bringen nicht mehr viel

Seit Juni haben mindestens 64 Kreditinstitute die Tagesgeldzinsen gesenkt. Aber nicht verzweifeln! Vier Banken haben sie sogar erhöht. Ein kleiner Lichtblick am Horizont. Verivox analysiert regelmäßig die Tages- und Festgeldzinsen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro. Für Tagesgeldkonten bei einer Anlage von 5.000 Euro gibt es im Schnitt 2,06 Prozent Zinsen. Klingt nicht schlecht, oder? Doch wer es mit dem Festgeld versucht, sieht auch hier nur einen moderaten Rückgang der Zinsen von 2,82 Prozent Anfang Juni auf 2,79 Prozent. Ach, die guten alten Zeiten im November, als es noch 3,39 Prozent waren!

Kreditzinsen: Keine Entspannung in Sicht

Kommen wir zu den Schuldnern. Hier bleibt alles beim Alten – oder wird sogar teurer. Besonders die Baufinanzierung zeigt kaum Bewegung. Die Zinsen für Kredite mit zehn Jahren Zinsbindung liegen bei 3,71 Prozent, mit 15 Jahren bei 3,85 Prozent. Diese Zinsen hängen eher von der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ab als von der EZB. Oliver Maier, Geschäftsführer von Verivox, prophezeit: In den kommenden Wochen bleibt alles stabil. Na, das ist doch mal eine Aussage!

Dispo- und Ratenkredite: Es wird nicht besser

Bei Dispo- und Ratenkrediten sieht es ebenfalls düster aus. Obwohl die EZB die Hauptrefinanzierungsfazilität und den Spitzenrefinanzierungssatz gesenkt hat, steigen die Zinsen hier leicht an. Warum? Banken lockern ihre Kreditvergabekriterien, was vor allem Verbraucherinnen und Verbrauchern mit schwacher Bonität hilft. Doch aufgepasst: Wegen des größeren Risikos verlangen die Banken höhere Zinsen. Aktuell liegen die Dispozinsen bei bis zu 15,49 Prozent, der Durchschnitt bei 12,09 Prozent. Und das hat sich im letzten Monat kaum verändert.

Fazit: Ein Spiel auf Zeit

Für Sparer bedeutet die Zinssenkung der EZB meist geringere Renditen, während Schuldner nicht wirklich von sinkenden Zinsen profitieren. Es ist ein Spiel auf Zeit und Geduld ist gefragt – sowohl für Sparer als auch für Schuldner. Vielleicht bringt die nächste Zinsentscheidung der EZB mehr Klarheit. Bis dahin heißt es: Kopf hoch und durch!

Lust auf mehr? Bleiben Sie dran, wenn es wieder heißt: „Zinsen im Sinkflug – Was uns die EZB als nächstes beschert!“

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