IT-Modernisierung auf hoher See
Kaum zu glauben, aber wahr: Während in vielen Büros noch mühsam alte Faxgeräte abgebaut werden, geht es bei der Deutschen Marine um eine Technologie, die noch mehr nach Museum als nach Moderne klingt. Die rund 30 Jahre alten Fregatten der „Brandenburg“-Klasse sollen aufgerüstet werden – und dabei müssen auch die Diskettenlaufwerke dran glauben.
Auf Wiedersehen, Floppy Disk!
Thomas Wiegold von „Augen geradeaus!“ hat als Erster von der Modernisierungsmaßnahme berichtet. In einer Ausschreibung des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) steht es schwarz auf weiß:
„Ersatz Floppy Disk Einheit: Entwicklung und Integration an Bord eines emulierenden Speichersystems zum Ersatz der Floppy Disk Einheit für die Messwerterfassungsanlage an Bord der Fregatten Klasse 123.“
Was bitte sind Floppydisks?
Für die jüngeren Leserinnen und Leser: Acht-Zoll-Disketten sind magnetische Datenträger aus den Siebzigerjahren, die bis zu ein Megabyte speichern konnten – das entspricht etwa einem halben Taylor-Swift-Song im MP3-Format. Mitte der Neunzigerjahre waren solche Disketten im militärischen Bereich noch weit verbreitet. Nun, fast drei Jahrzehnte später, hat auch die Deutsche Marine erkannt, dass diese Technik im musealen Umfeld besser aufgehoben ist als im aktiven Dienst.
Die Aufgabe: Emulieren statt ersetzen
Besonders wichtig in der Ausschreibung ist das Wort „emulierend“. Statt die gesamte Messtechnik zu erneuern, sucht die Marine nach einem Computersystem, das ein Diskettenlaufwerk nachbildet. So kann die vorhandene Technik weiter genutzt werden, ohne dass alle Systeme ausgetauscht werden müssen. Eine pragmatische und kostensparende Lösung.
Worum geht es bei der Modernisierung?
Die vier Fregatten der Bundeswehr sind auf die U-Boot-Jagd spezialisiert. Die schwedische Firma Saab ist als Generalunternehmer für die Modernisierung der Waffensysteme und der Waffensteuerung zuständig. Die in der Ausschreibung genannte Messwerterfassungsanlage hat jedoch nichts mit den Waffensystemen zu tun, sondern erfasst Betriebsparameter für die Steuerung des Antriebs und der Stromversorgung.
Zeitplan und Kosten
Interessierte Anbieter können sich bis zum 12. August um den Auftrag bewerben. Eine Fertigstellung der Arbeiten ist für Ende Juli 2025 geplant. Das einzige Kriterium für die Auftragsvergabe: der Preis. Die Bundeswehr setzt also auf eine kosteneffiziente Lösung, um ihre altehrwürdigen Fregatten fit für die Zukunft zu machen – zumindest was die Datenspeicherung betrifft.
Fazit: Schritt in die richtige Richtung
Die Modernisierung der Fregatten der „Brandenburg“-Klasse zeigt, dass auch traditionelle Institutionen wie die Bundeswehr den Schritt in die digitale Zukunft wagen. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich diese Modernisierungsmaßnahmen auf die Effizienz und Einsatzfähigkeit der deutschen Marine auswirken werden. In jedem Fall zeigt dieser Schritt, dass auch altehrwürdige Schiffe mit den richtigen Updates noch lange ihren Dienst verrichten können – ganz ohne das nostalgische Klicken der Floppydisks.
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