Kein städtisches Engagement für den Elbtower: Hamburg sagt „Nein, danke!“

Nach der Benko-Pleite: Hamburgs klare Absage an eine städtische Beteiligung

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat klargestellt, dass die Stadt Hamburg den Weiterbau des Elbtowers nicht finanziell unterstützen wird. Diese deutliche Absage kam als Reaktion auf Forderungen des Milliardärs Klaus-Michael Kühne. Tschentscher sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Herr Benko, die Signa-Gruppe und ihre Investoren haben in Österreich und Deutschland großen Schaden für das Gemeinwesen angerichtet. Daraus ergibt sich keine moralische Position, um irgendetwas von den betroffenen Städten oder unbeteiligten Dritten zu fordern.“

Kapitalismus pur: Kritik an Kühnes Vorschlag

Die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken, Heike Sudmann, kritisierte Kühnes Vorschlag ebenfalls scharf. „So einfach geht Kapitalismus“, sagte sie. „Die Risiken werden auf die öffentliche Hand und die Steuerzahler verlagert, während die Gewinne privatisiert werden.“

Kühne plädiert für Zusammenarbeit von Stadt und Privatwirtschaft

Kühne hatte vor kurzem gefordert, dass die Stadt Hamburg „möglichst aus dem Mund des Ersten Bürgermeisters“ klar erklären solle, dass sie bereit sei, zusammen mit der Privatwirtschaft das Elbtower-Projekt „zu einem guten Ende zu führen“. Die Stadt solle sich verpflichten, die Hälfte der Mietflächen des Elbtowers für städtische Behörden zu verwenden und diese unmittelbar nach Fertigstellung anzumieten – zu Mietkonditionen, die die Wirtschaftlichkeit des Objektes sicherstellen.

Hamburg bleibt standhaft: Projektrisiko beim privaten Investor

Tschentscher betonte, dass die Stadt Hamburg zu ihren Verträgen und Zusagen stehe. Das Grundstück sei für 122 Millionen Euro verkauft und der Bau des Elbtowers genehmigt worden. Es sei jedoch von Anfang an klar gewesen, dass das Projektrisiko beim privaten Investor liege. „Der Senat beabsichtigt definitiv nicht, die Federführung oder Regie für den Weiterbau zu übernehmen oder sich mit eigenem Kapital an der Fertigstellung zu beteiligen.“

Lösung noch in diesem Jahr erwartet

Der Bürgermeister zeigte sich zuversichtlich, dass der Insolvenzverwalter an einer privatwirtschaftlichen Lösung arbeite. „Ich begrüße das Engagement der privaten Bieter und gehe davon aus, dass im zweiten Halbjahr eine Lösung für die Fertigstellung des Elbtowers gefunden wird“, sagte Tschentscher. Die Planungen seien darauf ausgelegt, dass der Tower zu Ende gebaut werde. Bauliche Änderungen seien in Absprache mit der Stadt und dem Architekten möglich, aber für eine grundlegend andere Bebauung des Grundstücks müsse ein komplett neues Verfahren gestartet werden.

Elbtower: Ein ambitioniertes Projekt in der Schwebe

Der Elbtower sollte nach den bisherigen Plänen in der Hafencity mit 64 Stockwerken und einer Höhe von 245 Metern das dritthöchste Gebäude Deutschlands werden. Die Fertigstellung war für 2025 geplant, mit geschätzten Kosten von rund 950 Millionen Euro. Ende Oktober 2023 stellte das beauftragte Bauunternehmen jedoch bei 100 Metern Höhe die Arbeiten ein, da die Signa Gruppe des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko Rechnungen nicht bezahlt hatte. Die Elbtower Immobilien GmbH & Co. KG meldete im Januar Insolvenz an, als mittelbare Tochter der ebenfalls insolventen Signa Prime Selection AG.

Fazit: Ein Turm, der (noch) nicht in den Himmel wächst

Der Elbtower ist ein ehrgeiziges Projekt, dessen Zukunft momentan in den Sternen steht. Die Stadt Hamburg hat klargestellt, dass sie nicht bereit ist, die finanziellen Risiken zu übernehmen. Während private Investoren nun das Ruder übernehmen müssen, bleibt abzuwarten, ob und wann der Elbtower letztlich fertiggestellt wird. Bis dahin gilt: Ein Hochhausbau ist nichts für schwache Nerven – oder leere Kassen.

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