Europas größter Softwarehersteller, SAP, plant tiefgreifende Umstrukturierungen, die bis zu 10.000 Stellen kosten könnten. Was für viele Mitarbeitende einen schmerzhaften Abschied bedeutet, könnte sich für den DAX-Konzern langfristig als finanzieller Vorteil erweisen.
Neuausrichtung mit KI-Fokus
SAP hat die Anzahl der geplanten Stellenstreichungen von 8.000 auf bis zu 10.000 erhöht. Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit der Notwendigkeit, sich verstärkt auf Künstliche Intelligenz (KI) zu konzentrieren. Die betroffenen Mitarbeiter werden durch Abfindungs- und Frühverrentungsprogramme unterstützt, die sich offenbar großer Beliebtheit erfreuen. Dies beschleunigt den Prozess des Stellenabbaus, da ältere Mitarbeiter, die oft höhere Gehälter beziehen, die Hauptzielgruppe der Programme sind.
Finanzielle Auswirkungen und Kosteneinsparungen
Die Kosten für das erweiterte Sparprogramm beliefen sich im zweiten Quartal auf 0,6 Milliarden Euro, die als Rückstellungen für die Freiwilligenprogramme angesetzt wurden. SAP erwartet jedoch, dass die Maßnahmen ab 2025 rund 200 Millionen Euro jährlich einsparen werden – eine Verbesserung gegenüber der ursprünglichen Schätzung von 500 Millionen Euro. Diese Einsparungen sollen das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) im kommenden Jahr auf etwa 10,2 Milliarden Euro steigern, was eine leichte Anpassung der bisherigen Prognose darstellt.
Positive Reaktionen der Analysten
Die Quartalszahlen von SAP überraschten positiv: Das operative Ergebnis stieg im zweiten Quartal um 33 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro, was die Erwartungen der Analysten übertraf. Charles Brennan von Jefferies bezeichnete das Ergebnis als „blitzsauber“, während Sven Merkt von Barclays und Toby Ogg von JPMorgan ebenfalls von „ermutigenden“ Zahlen sprachen. Alle drei Analysten bekräftigten ihre Kaufempfehlungen für die SAP-Aktie.
SAP-Aktie auf Rekordkurs
Die SAP-Aktie erreichte im frühen Handel ein Rekordhoch von 196,68 Euro und hat seit Jahresbeginn bereits ein Plus von mehr als 30 Prozent verzeichnet. Experten prognostizieren, dass die Aktie weiter steigen könnte, mit einem Kursziel von bis zu 225 Euro, wie von Goldman Sachs vorgeschlagen.
Blick in die Zukunft
Trotz der umfangreichen Umstrukturierungen zeigt sich SAP-CEO Christian Klein optimistisch: „Aufgrund unserer Fortschritte und starken Auftragspipeline sind wir zuversichtlich, bis 2027 ein beschleunigtes Umsatzwachstum zu erreichen.“ Bis Ende dieses Jahres wird eine Mitarbeiterzahl von etwa 107.602 Vollzeitstellen angestrebt. Zwar waren es zur Mitte des Jahres nur 105.315 Stellen, aber im zweiten Halbjahr plant das Unternehmen, neue Mitarbeiter einzustellen.
Fazit
SAPs umfassende Umstrukturierungen sind ein notwendiger Schritt in Richtung Zukunft und Innovation. Während der Stellenabbau für viele Mitarbeitende schmerzhaft ist, könnte die Neuausrichtung auf Künstliche Intelligenz und die damit verbundenen Kosteneinsparungen dem Unternehmen helfen, seine Position im Markt zu stärken und weitere Wachstumsziele zu erreichen. Die positive Reaktion der Analysten und der Aktienkurs bestätigen, dass SAP auf einem guten Weg ist – zumindest aus finanzieller Sicht.
