Eine seltsame Verbrüderung
Es klingt zunächst nach einem skurrilen Szenario: Neonazis und islamistische Extremisten, die gemeinsame Sache machen? Was wie ein schlechter Witz anmutet, offenbart in Wahrheit tiefgreifende inhaltliche Überschneidungen zwischen diesen beiden extremen Lagern. Allen voran ist es der Antisemitismus, der als verbindendes Element fungiert.
Ein Neonazi verteidigt Islamisten
Jüngstes Beispiel dieser fragwürdigen Allianz ist der Aufschrei eines Neonazis gegen das Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg. Michael Brück, ein in Chemnitz ansässiger Rechtsextremist, verurteilte in seinem Telegram-Kanal die Entscheidung des Bundesinnenministeriums. Seiner Meinung nach sei das Verbot keine Maßnahme gegen Islamisten, sondern eine von den USA gelenkte Eskalation gegen den Iran.
Islamisten protestieren gegen das „Compact“-Verbot
Nicht minder kurios ist der Protest schiitischer Muslime gegen das Verbot des rechtsextremen „Compact-Magazins“. In Bremen versammelten sich einige Anhänger des iranischen Mullah-Regimes und demonstrierten gegen das Verbot des Magazins, das in der Vergangenheit wiederholt gegen Muslime gehetzt hatte. Der Youtube-Kanal „Actuarium“ veröffentlichte ein Video, in dem die Demonstranten Plakate mit Aufschriften wie „Nein zur Meinungsdiktatur“ in die Kamera hielten.
Wie passt das zusammen?
Diese ungewöhnlichen Verbrüderungen werfen Fragen auf. Wie kann es sein, dass rechtsextreme und islamistische Gruppierungen, die sich normalerweise spinnefeind sind, plötzlich auf derselben Seite stehen? Die Antwort liegt in den gemeinsamen Feindbildern. Beide Seiten eint ihre antiwestliche, antiamerikanische und vor allem antisemitische Haltung.
Hüseyin Özoguz und seine Thesen
Hüseyin Özoguz, Betreiber des Youtube-Kanals „Actuarium“ und Unterstützer islamistischer Organisationen wie der Hamas und der Hisbollah, verteidigt das „Compact“-Magazin trotz dessen islamfeindlicher Inhalte. Er kritisiert die Zensur und sieht das Verbot als politisch motiviert. Özoguz verbreitet zudem die rechte Verschwörungstheorie vom „Großen Austausch“ und spricht sich gegen LGBTQ-Rechte aus, was ihn ideologisch näher an die Rechtsextremen rückt, als man zunächst vermuten könnte.
Verbindungen und Sympathien
Diese Verbindungen reichen bis in die Führungsetagen der rechtsextremen Szene. Jürgen Elsässer, Chefredakteur des „Compact-Magazins“, hat in der Vergangenheit enge Kontakte zu Vertretern des iranischen Regimes gepflegt. Im Zuge einer Reise in die Islamische Republik Iran, organisiert von Yavuz Özoguz, kam es sogar zu einer Audienz beim damaligen Präsidenten Ahmadinedschad.
Der gemeinsame Nenner: Antisemitismus
Der größte gemeinsame Nenner zwischen Rechtsextremen und Islamisten bleibt jedoch der Antisemitismus. Beide Lager teilen die Feindschaft gegen Israel und Juden und nutzen diese als ideologische Brücke. Doch auch darüber hinaus gibt es Überschneidungen: Gemeinsame geopolitische Überzeugungen, konservative Familienbilder und die Ablehnung von LGBTQ-Rechten sind weitere Punkte der inhaltlichen Allianz.
Fazit
Die kurios anmutende Verbrüderung von Neonazis und Islamisten zeigt, dass extreme politische Lager trotz ihrer offensichtlichen Differenzen in bestimmten Punkten aufeinander zugehen können. Diese Allianz, so ungewöhnlich sie auch erscheinen mag, ist ein Zeichen dafür, dass ideologische Feindbilder mächtige Brückenbauer sein können. Auch wenn die inhaltlichen Übereinstimmungen für mehr als punktuelle Allianzen oft nicht ausreichen, bleibt die Schnittmenge in ihrer Feindseligkeit gegenüber bestimmten Gruppen ein gefährliches Potenzial.
