Einen Monat vor den Landtagswahlen im Osten Deutschlands warnen Spitzenverbände der Wirtschaft eindringlich vor den Folgen eines erstarkenden Einflusses der AfD. In einer Zeit, in der Weltoffenheit und Zuwanderung entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands sind, sehen die Verbandspräsidenten die Entwicklungen mit Sorge.
Alarmierende Umfragewerte
Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), zeigt sich besorgt über die hohen Umfragewerte der AfD, insbesondere in Ostdeutschland. „Die deutsche Wirtschaft steht für ein weltoffenes, liberales Deutschland“, betont Dulger. Die Angst vor einem wirtschaftlichen Absturz sei in der Bevölkerung und auch bei Unternehmen deutlich spürbar. Die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, wie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, verstärken diese Ängste. Dulger fordert daher eine entschlossene Bundesregierung, die klare Antworten liefert. Nationale Alleingänge seien im 21. Jahrhundert wenig erfolgversprechend.
Deutschland als Exportweltmeister
Deutschland habe über Jahrzehnte hinweg als ehemaliger Exportweltmeister von der Globalisierung profitiert wie kaum ein anderes Land. Dulger betont: „Unser Wohlstand hängt auch damit zusammen, dass wir ein weltoffenes Land sind.“ Die offenen Grenzen und die Integration von Zuwanderern seien wesentliche Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands.
Fachkräftemangel und Fremdenfeindlichkeit
Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), warnt vor den wirtschaftlichen Folgen, sollte die AfD in Ostdeutschland noch mehr an Einfluss gewinnen. „Wenn die AfD einen Ministerpräsidenten stellen würde, wäre das ganz schlecht für die Wirtschaft“, so Russwurm. Die demokratischen Parteien hätten es bislang nicht geschafft, Lösungen zu präsentieren, die die Menschen wirklich ansprechen. Die wenigen inhaltlichen Aussagen der AfD würden der Wirtschaft jedoch nur schaden.
Russwurm kritisiert die fremdenfeindliche Haltung der AfD scharf. „Die offen und aktiv ausgelebte Fremdenfeindlichkeit der AfD verschärft die ohnehin existierenden Probleme des demografischen Wandels und Fachkräftemangels, von denen gerade Deutschland besonders betroffen ist“, erklärt er. Ein Blick auf Baustellen, Pflegeheime, Krankenhäuser oder Restaurants zeige, wie wichtig Zuwanderer für das Land seien. „Wer über Remigration redet, wer sagt ‚Ausländer raus‘, der soll sich bitte mal umschauen: Was wäre dieses Land ohne Zuwanderer?“
Landtagswahlen im Osten
Am 1. September stehen die Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen an, am 22. September in Brandenburg. Umfragen zufolge könnte die AfD in allen drei Bundesländern zur stärksten Kraft werden. In Sachsen und Thüringen wird die Partei vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.
Fazit
Die Warnungen der Wirtschaftsverbände sind ein deutliches Signal an die Wählerinnen und Wähler im Osten Deutschlands. Ein weiterer Aufstieg der AfD könnte gravierende wirtschaftliche Folgen haben. Weltoffenheit und Zuwanderung sind entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes. Es bleibt abzuwarten, ob diese Botschaft Gehör findet und welche politischen Weichen bei den kommenden Wahlen gestellt werden. In der Zwischenzeit hoffen die Wirtschaftsführer auf eine entschlossene und klare Haltung der Bundesregierung, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts erfolgreich zu begegnen.
