Nach sieben Monaten des Insolvenzverfahrens steht der Warenhauskonzern Galeria ab August wieder auf eigenen Beinen. Das Amtsgericht Essen hat das Insolvenzverfahren beendet und den Weg für einen Neubeginn freigemacht. Die Frage bleibt: Kann Galeria sich am Markt behaupten oder droht die nächste Insolvenz?
Lichtblick für die Beschäftigten
Der bisherige Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus zeigt sich optimistisch: „Es ist gemeinsam gelungen, die Kostenstruktur in weiten Teilen auf ein angemessenes Niveau zu reduzieren“, betont Denkhaus. Der Konzern wird künftig nur noch „Galeria“ heißen und weniger Filialen schließen als ursprünglich geplant. Von den ursprünglich 92 Filialen bleiben 83 erhalten, lediglich neun werden geschlossen. Die Unternehmenszentrale wird von Essen nach Düsseldorf verlegt und verkleinert.
Neue Eigentümer und eine neue Vision
Ab August übernimmt ein Konsortium um den Mannheimer Unternehmer Bernd Beetz und den US-Investor Richard Baker die Leitung von Galeria. Beetz verspricht eine „neue Unternehmenskultur“ und will die Filialen attraktiver gestalten, Leistung stärker belohnen und die Kundenzufriedenheit steigern. Galeria-Geschäftsführer Olivier Van den Bossche betont, dass sich das Unternehmen auf seine „Kernkompetenz als Warenhaus“ konzentrieren werde. Eine verstärkte lokale Ausrichtung und Modernisierungen der Filialen sind geplant.
Experten sehen schwarz
Trotz der positiven Signale sind Einzelhandelsexperten skeptisch. Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU sieht wenig Platz für Galeria im Markt. „Im Textilbereich gibt es sehr viel Konkurrenz, beispielsweise C&A und Peek & Cloppenburg, denen es selbst nicht gut geht. Dazu kommen erfolgreiche Discounter wie KiK und Woolworth“, so Fassnacht. Auch im Kosmetikbereich und im Onlinehandel gebe es bereits starke Konkurrenz. „Um mit Onlinehandel Geld zu verdienen, muss man zuerst jahrelang investieren. Das Geld dafür hat Galeria nicht.“
Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein hält eine vierte Insolvenz für unvermeidbar: „Es ist alles versucht worden, und es gibt keine Lösung.“
Zeit für einen fairen Neuanfang?
Der bisherige Insolvenzverwalter Denkhaus bittet um eine Schonfrist für das neue Führungsteam. In der Politik sei es üblich, neuen Regierungen eine Schonfrist von 100 Tagen zu geben, das wünscht er sich auch für die neuen Eigentümer – am besten 300 Tage.
Tarifstreit mit ver.di
Eine zusätzliche Herausforderung ist der Tarifstreit mit der Gewerkschaft ver.di. Diese fordert die Rückkehr von Galeria in den Flächentarifvertrag des Einzelhandels, was das Unternehmen als finanziell nicht machbar ansieht. Stattdessen schlägt es einen eigenen Warenhaus-Tarifvertrag vor, der laut ver.di fast 30 Prozent unter dem Niveau des Flächentarifvertrags liegt. Corinna Groß von ver.di betont: „Ohne die Beschäftigten wird Galeria nicht überleben.“
Fazit: Neustart oder weiterer Rückschlag?
Ob der Neustart von Galeria erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Der Markt ist hart umkämpft, und die Herausforderungen sind groß. Ein gutes Kostenmanagement und eine klare Strategie sind entscheidend. Doch ohne die Unterstützung der Mitarbeiter und eine tragfähige Einigung im Tarifstreit könnte der nächste Rückschlag schneller kommen als erhofft. Es bleibt zu hoffen, dass Galeria die nötige Zeit und den Spielraum bekommt, um sich neu zu erfinden und am Markt zu bestehen.
