Falschmeldungen zur Adventszeit: Fakten statt Hetze

Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine besondere Phase im Jahr – emotional aufgeladen und reich an Traditionen. Leider wird genau diese emotionale Bindung von rechten Akteuren systematisch instrumentalisiert, um spaltende Desinformationen zu verbreiten. Diese gezielte Manipulation ist nicht nur demokratiefeindlich, sondern bedient sich auch falscher Tatsachen, um Misstrauen und Hass in der Gesellschaft zu schüren.

Die Wahrheit hinter dem „Schoko-Weihnachtsmann“

Ein aktuelles Beispiel ist ein Foto, das in sozialen Netzwerken viral ging. Es zeigt Schokoladenfiguren mit der Bezeichnung „Kinder Schoko Hohlfigur“ in einem sächsischen Discounter. Reaktionäre Kreise behaupten, dies sei ein Beweis für die Abschaffung des Weihnachtsmanns zugunsten einer „geschlechtsneutralen Hohlfigur“. Diese Interpretation ist jedoch vollständig haltlos.

Der Schokoladenhersteller Ferrero hat klargestellt, dass die Bezeichnung „Hohlfigur“ schlicht produkttechnische Gründe hat. Neben klassischen Weihnachtsmännern bietet Ferrero auch Figuren wie Schneemänner und Pinguine an. Die Begriffswahl dient lediglich der Unterscheidung. Der Weihnachtsmann als Symbol bleibt erhalten. Ferrero distanziert sich ausdrücklich von jeglicher Diskriminierung oder Fremdenfeindlichkeit.

Warum Desinformationen zur Weihnachtszeit florieren

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Janine Patz vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft erklärt: „Weihnachten eignet sich besonders gut für die Verbreitung von Falschmeldungen, da das Fest starke Emotionen weckt und tief in der gesellschaftlichen Identität verankert ist.“

Rechte Akteure nutzen diesen emotionalen Hebel, um gezielt Feindbilder zu erzeugen. Sie wollen den Eindruck vermitteln, traditionelle Werte und Bräuche würden über Bord geworfen, um angeblich anderen Kulturen oder politischen Ideologien Platz zu machen. Diese Narrative sind nicht nur falsch, sondern auch spalterisch.

Der Mythos vom „Wünschebaum“ in Wolfsburg

Ein weiteres Beispiel ist die Kritik am sogenannten „Winterwunderland“ in der Autostadt Wolfsburg. Rechtspopulistische Medien und Politiker, darunter Mitglieder der AfD, behaupten, der traditionelle Begriff „Weihnachtsbaum“ sei dort durch „Wünschebaum“ ersetzt worden. Diese Behauptung ist nachweislich falsch.

Die Autostadt erklärte, dass das Event bewusst „Winterwunderland“ heißt, da es mehr als nur Weihnachten umfasst, etwa eine große Eislauffläche und andere Winterattraktionen. Ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum ist jedoch nach wie vor Bestandteil der Veranstaltung – und wird auch so genannt. Der „Wünschebaum“ hingegen ist eine separate Aktion zugunsten benachteiligter Kinder.

Alte Bilder, neue Lügen

Auch der Checkpoint Charlie in Berlin wurde Ziel von Desinformationen. Ein Bild eines Weihnachtsbaums mit ukrainischen Fahnen wird aktuell als Beispiel für angebliche politische Überkorrektheit angeführt. Doch das Foto stammt aus dem Jahr 2022 und war eine klare Solidarätsgeste nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Der Kontext wurde von rechten Akteuren bewusst ignoriert, um nationale Ressentiments zu schüren.

Hetze mit Kalkül

Hinter diesen Falschmeldungen steckt eine klare Strategie: Es soll Stimmung gegen als „andersartig“ wahrgenommene Gruppen gemacht werden. Das Ziel ist es, die Gesellschaft zu spalten und demokratische Werte zu untergraben. Diese Desinformationskampagnen bedienen sich der Angst vor Verlust – sei es kulturell, sozial oder wirtschaftlich.

Was tun gegen Falschmeldungen?

  1. Fakten prüfen: Nutzen Sie verlässliche Quellen und unabhängige Faktenchecks.
  2. Narrative hinterfragen: Welche Absicht könnte hinter der Verbreitung einer Nachricht stehen?
  3. Aufklären: Teilen Sie die Fakten in Ihrem Umfeld, um Missverständnisse aufzuklären.

Fazit

Die Adventszeit sollte ein Anlass für Besinnung und Zusammenhalt sein – nicht für Hetze und Spaltung. Lassen wir uns nicht von Falschmeldungen und gezielter Propaganda täuschen. Die Wahrheit bleibt der beste Schutz gegen die Instrumentalisierung unserer Werte und Traditionen.

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