Es klingt wie aus einem schlechten Spionageroman, doch leider ist es bittere Realität. In Frankfurt am Main hat der zweite Mammutprozess gegen die sogenannte „Reichsbürger“-Gruppe um Heinrich XIII. Prinz Reuß begonnen. Der 72-jährige Prinz und acht weitere Angeklagte müssen sich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor Gericht verantworten. Man könnte meinen, die Geschichtsbücher würden sie zurückholen wollen.
Der Fall zieht weite Kreise: Neben Frankfurt wird auch in Stuttgart und München verhandelt, um die Ereignisse rund um die „Reichsbürger“-Gruppe vollständig aufzuarbeiten. Doch worum geht es eigentlich?
Ein royaler Anführer?
Laut Anklage ist Prinz Reuß der mutmaßliche Rädelsführer. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm und seinen Mitstreitern vor, die staatliche Ordnung gewaltsam beseitigen und durch eine eigene Staatsform ersetzen zu wollen. Man fragt sich, ob sie sich dabei an Game of Thrones oder doch eher an Don Quijote orientiert haben. Der Plan der Gruppe umfasste nicht weniger als den gewaltsamen Sturm auf den Reichstag und die Festnahme von Bundestagsabgeordneten und Regierungsmitgliedern. Ein derartiger Coup d’état ist in modernen Demokratien glücklicherweise eine Seltenheit.
Mit Verschwörungstheorien bewaffnet
Die Gruppe soll Ende Juli 2021 gegründet worden sein und war offensichtlich gut vernetzt – zumindest, wenn es um Verschwörungstheorien geht. Auch Verstöße gegen das Waffengesetz werden den Angeklagten vorgeworfen. Besonders pikant: Prinz Reuß soll sogar Kontakt zu Vertretern Russlands gesucht haben. Ein bisschen James Bond darf in dieser Geschichte wohl auch nicht fehlen.
Prominente Unterstützung
Unter den Angeklagten findet sich auch die ehemalige AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann. Sie nutzte ihre Zugangsrechte zum Bundestag, um der Gruppe bei der Erkundung von Liegenschaften zu helfen. Ob sie sich dabei wie Lara Croft gefühlt hat, bleibt ihr Geheimnis.
Die Verteidigung kontert
Natürlich hat auch die Verteidigung etwas zu sagen. Die Anwälte von Prinz Reuß bestreiten vehement seine Rolle als Rädelsführer und kritisieren die Aufteilung des Verfahrens auf drei Standorte. Es bleibt abzuwarten, ob die Gerichte diese Argumente entkräften können.
Und weiter geht’s
Nach dem Prozessbeginn in Frankfurt folgen weitere Verhandlungen in Stuttgart und München. In Stuttgart geht es um mutmaßliche Vertreter des militärischen Arms der Gruppe, während in München ab Mitte Juni die übrigen Mitglieder vor Gericht stehen. Der Fall verspricht langwierig zu werden – Termine sind bereits bis ins kommende Jahr angesetzt. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten bis zu 15 Jahre Haft.
Fazit
Dieser Prozess zeigt, dass selbst in einer modernen Demokratie wie Deutschland Menschen existieren, die an völlig veraltete Staatsstrukturen glauben und bereit sind, diese mit Gewalt durchzusetzen. Ob aus royalem Missverständnis oder schlicht aus Dummheit – die „Reichsbürger“-Gruppe um Prinz Reuß hat sich auf einen gefährlichen Pfad begeben. Bleibt zu hoffen, dass die Justiz mit kühlem Kopf und sachlicher Strenge urteilt. Und für uns alle heißt es: Hände weg von obskuren Verschwörungstheorien und ein Hoch auf die Demokratie, auch wenn sie manchmal so trocken sein kann wie ein alter Geschichtsbuch-Eintrag.
