Hubert Aiwanger betritt den Weißbierstadl, eine urige Scheune, pünktlich um zehn Uhr. Die Blaskapelle spielt auf, der Duft von Weißwurst und Bier liegt in der Luft. Die Menschen jubeln und rufen seinen Namen. Aiwanger lächelt, winkt und zieht seinen Trachtenjanker aus, als wollte er zeigen, dass er eine weiße Weste hat.
Es ist der Tag nach Aiwangers Begnadigung und ein Heimspiel für ihn. Der Chef der Freien Wähler spricht auf dem Gillamoos-Volksfest in Abensberg, nicht weit von seiner Heimatstadt entfernt. Obwohl er mitgenommen aussieht, genießt er das Bad in der Menge.
Aiwanger schweigt zur Flugblattaffäre
Aiwanger hat turbulente Tage hinter sich. Die Süddeutsche Zeitung berichtete über ein menschenverachtendes Flugblatt in seiner Büchertasche vor 35 Jahren. Es gab Vorwürfe von ehemaligen Mitschülern und Lehrern, Aiwanger habe Mein Kampf im Schulranzen gehabt, den Hitlergruß gezeigt und Judenwitze gerissen. Die Bayerische Staatskanzlei stellte 25 Fragen, von denen die meisten unbeantwortet blieben. Trotzdem entschied Markus Söder, dass Aiwanger Minister bleiben darf.
In seiner Rede auf dem Gillamoos kritisiert Aiwanger die geplante Cannabislegalisierung und warnt vor einem Land im Niedergang. Er malt ein düsteres Bild von Deutschland, spricht von Ingenieuren, Ärzten und Metzgern, die das Land verlassen, und behauptet, die Bundesregierung treibe die Deindustrialisierung voran.
Wahlkampf im Bierzelt
Das Gillamoos-Volksfest ist ein Jahrmarkt mit jahrhundertealter Tradition und ein Schauplatz des politischen Schlagabtauschs, besonders in Wahljahren. Bayern führt Wahlkampf traditionell in Bierzelten.
Neben Aiwanger haben auch andere Parteien ihre Vertreter platziert, um für die Wahl am 8. Oktober zu werben. Doch die CSU dominiert den größten Schauplatz im Hofbräuzelt. Friedrich Merz lobt Söders Entscheidung zu Aiwanger.
Söders politisches Schicksal an Aiwanger geknüpft
Markus Söders politisches Schicksal ist nun eng mit Hubert Aiwangers verknüpft. Die Koalition mit den Freien Wählern nach der Wahl könnte dadurch gesichert sein, ohne auf die Grünen als Koalitionspartner angewiesen zu sein.
Aber die Affäre ist noch nicht vorbei. Eine Sondersitzung des Landtags wird sich erneut mit der Flugblattaffäre befassen. Söder braucht vor allem eines: Ruhe von Aiwanger.
Aiwangers Vision für die Zukunft
In seiner einstündigen Rede zeichnet Aiwanger eine Vision für die Zukunft. Er wünscht sich ein Land, in dem Kinder bei Sportfesten Ehrenurkunden gewinnen wollen, in dem Menschen Berufsausbildungen absolvieren, das Handwerk geschätzt wird und ältere Menschen möglichst lange zu Hause gepflegt werden können. Seine Leitlinie ist der gesunde Menschenverstand.
Aiwanger hat eine Vision für Bayern und die Menschen scheinen ihm zu verzeihen, egal wie kontrovers seine Äußerungen in der Vergangenheit waren. Er ist die Partei, und die Partei ist Hubert Aiwanger. Das wurde an diesem Montagvormittag auf dem Gillamoos deutlich.
