Die KZ-Gedenkstätte Dachau hat Bayerns Vize-Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger gebeten, von einem „öffentlichkeitswirksamen“ Besuch abzusehen, der im Vorfeld der bayerischen Landtagswahl geplant war. Dieser Vorschlag kam aufgrund von Antisemitismusvorwürfen gegen Aiwanger, die vom Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, aufgebracht wurden.
Die KZ-Gedenkstätte Dachau möchte nicht zum Schauplatz politischer Auseinandersetzungen werden und lehnt daher solche Besuche ab. Die Sprecherin der Gedenkstätte betonte die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur und des Kampfes gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus.
Kritik an Kleins Vorschlag kommt auch von Jens-Christian Wagner, dem Leiter der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Er fordert, dass diejenigen, die die erinnerungskulturellen Scherben hinterlassen haben, sich damit auseinandersetzen sollten, anstatt Gedenkstätten für politische Zwecke zu nutzen.
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, äußerte Irritation über Jubelrufe, die Aiwanger auf einem Volksfest erhalten hatte. Er betonte, dass Aiwanger die Forderung nach Reue und Demut nicht erfüllt habe und seine Entschuldigung „mehr als dürftig“ sei.
Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, lehnte Aiwangers Entschuldigung ab und bezeichnete die Vorwürfe als „entsetzliche Worte“. Sie akzeptiert jedoch die Entscheidung von Ministerpräsident Markus Söder, Aiwanger im Amt zu belassen, um politische Instrumentalisierung zu verhindern.
Die Kontroverse um Aiwanger und seinen Besuch in Dachau zeigt die Sensibilität des Themas Antisemitismus und die Bedeutung der Erinnerungskultur in Deutschland.
