Die Wohnungsbaubranche in Deutschland steht vor einer ernsten Herausforderung, da immer mehr Bauaufträge aufgrund gestiegener Kosten gestrichen werden. Verbände schlagen Alarm und warnen vor einem massiven Wohnungsnotstand im Land.
Laut Axel Gedaschko, dem Präsidenten des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft (GdW), könnten bis 2025 in Deutschland im schlimmsten Fall zwischen 900.000 und einer Million Wohnungen fehlen. Er führt dies auf den „Abschwung in der Wohnungswirtschaft“ zurück.
Eine Umfrage des Ifo-Instituts zeigt, dass die Krise im deutschen Wohnungsbau weiter eskaliert. Im August hatten bereits 20 Prozent der Firmen abgesagte Bauprojekte zu beklagen. Bis Juli dieses Jahres wurden insgesamt 156.200 neue Wohnungen genehmigt, was 27,8 Prozent oder 60.300 weniger sind als im Vorjahr zur gleichen Zeit. Dies steht im Widerspruch zu dem Ziel der Bundesregierung, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu errichten.
Die Hauptgründe für die Stornierungen sind laut dem Ifo-Institut in erster Linie die stark gestiegenen Baukosten und Zinsen. Viele Projekte, die Anfang 2022 noch profitabel waren, sind heute nicht mehr realisierbar. Auch die gesunkenen Förderungen aufgrund verschärfter Energiesparanforderungen belasten die Kalkulation der Bauherren.
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, bezeichnet den Einbruch der Aufträge als „katastrophal“ und betont, dass die Zahl der genehmigten Wohnungen den Bedarf bei Weitem nicht mehr deckt.
Um die Baubranche wieder anzukurbeln, fordert GdW-Präsident Gedaschko die Senkung der Mehrwertsteuer für Baustoffe und Dienstleistungen von 19 auf sieben Prozent. Er warnt davor, dass im Jahr 2024 möglicherweise etwas mehr als 200.000 Wohnungen gebaut werden könnten, und dass diese Zahl im Jahr 2025 sogar unter 200.000 sinken könnte, wenn die Bundesregierung nicht gegensteuert.
Felix Pakleppa, Geschäftsführer des ZDB, hofft auf ein Investitionspaket der Bundesregierung und betont, dass der soziale Frieden auf dem Wohnungsmarkt ein lohnendes Ziel für Investitionen ist.
Das Bundesbauministerium gibt an, intensiv an einem Maßnahmenpaket für die Bau- und Immobilienbranche zu arbeiten, um dieser drängenden Wohnungsnotlage entgegenzuwirken.
