Eine aktuelle Umfrage im Rahmen des Deutschen Schulbarometers, durchgeführt im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung, zeigt, dass zwei Drittel der Teilzeit-Lehrkräfte in Deutschland bereit wären, mehr zu unterrichten. Diese Bereitschaft ist jedoch an bestimmte Bedingungen geknüpft. Gleichzeitig wird ein Anstieg der Kinderarmut in allen Bevölkerungsschichten beobachtet.
Bedingungen für mehr Unterricht
Für viele Teilzeit-Lehrkräfte sind Änderungen an ihrem Arbeitszeitmodell entscheidend. Derzeit richtet sich die Arbeitszeit nach den verpflichtenden Unterrichtsstunden, dem sogenannten Deputat, was nicht die Zeit für Vorbereitung und andere Aufgaben einschließt. Eine Änderung dieses Modells wird von 73 Prozent der Befragten als Voraussetzung genannt.
69 Prozent der befragten Teilzeitkräfte würden mehr unterrichten, wenn sie weniger Dokumentation und fachfremde Aufgaben bewältigen müssten und ihre Arbeit ohne Überstunden machbar wäre. Für 25 Prozent wäre eine verbesserte Betreuungssituation für ihre eigenen Kinder notwendig.
Herausforderungen für Lehrkräfte
Die Umfrage bezieht nicht nur Teilzeit-, sondern auch Vollzeit-Lehrkräfte ein. Die hohe Arbeitsbelastung bereitet 31 Prozent der Lehrkräfte Schwierigkeiten, und 21 Prozent klagen über Personalmangel. Die größte Herausforderung im Schulalltag ist jedoch das Verhalten der Schülerinnen und Schüler, was von 34 Prozent der Befragten als problematisch angesehen wird.
Experten vermuten, dass die Auswirkungen der Pandemie und die anhaltende Unsicherheit bezüglich globaler Entwicklungen wie Krieg, Inflation und Klimakrise zu diesen Veränderungen im Verhalten der Schüler beitragen. Fast ein Drittel der Lehrkräfte nimmt Ängste bei ihren Schülern wahr.
Kinderarmut nimmt zu
Besonders besorgniserregend ist, dass die Kinderarmut im vergangenen Schuljahr in allen Bevölkerungsschichten zu steigen scheint. Etwa ein Drittel der Lehrkräfte gibt an, dass Schülerinnen und Schüler fehlende Materialien haben oder ohne Frühstück zur Schule kommen. In sozial benachteiligten Gebieten sind es sogar bis zu 64 Prozent. Ein Drittel der Pädagogen hat bemerkt, dass Schülerinnen und Schüler sich Sorgen um die finanzielle Situation ihrer Eltern machen, und jeder vierte gibt an, dass Schülerinnen und Schüler seltener an Schullandheimfahrten teilnehmen.
Dagmar Wolf, Leiterin des Bereichs Bildung der Robert-Bosch-Stiftung, fordert eine bedarfsdeckende Kindergrundsicherung sowie eine armutssensible Haltung der Lehrkräfte, damit diese die Auswirkungen von Armut auf Kinder und Jugendliche erkennen und Hilfe anbieten können, ohne die Betroffenen bloßzustellen. Die Kinderarmut in Deutschland hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Teilhabe junger Menschen am sozialen und kulturellen Leben und beeinflusst ihre psychosoziale Gesundheit.
