Die Freie Wähler-Gemeinschaft Schöllkrippen hat nach der kontroversen Flugblatt-Affäre um den Parteichef Hubert Aiwanger eine entscheidende Veränderung eingeleitet. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 10. November haben die rund 20 Mitglieder einstimmig beschlossen, sich künftig „Unabhängige Bürger“ zu nennen.
Die Namensänderung soll verdeutlichen, dass sich die Gruppierung als demokratisch, pluralistisch und weltoffen versteht, und sie distanziert sich dabei strikt von jeglichem Extremismus sowie populistischem politischen Auftreten. Die Entscheidung, die ohne Gegenstimmen getroffen wurde (zwei Enthaltungen), unterstreicht den Wunsch nach Unabhängigkeit von politischen Parteien auf Landes- oder Bundesebene.
Die Hintergründe für diese Umbenennung liegen in den Vorwürfen und Äußerungen im Zusammenhang mit dem Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Dieser geriet kurz vor der Landtagswahl in die Schlagzeilen aufgrund eines antisemitischen Flugblatts aus seiner Schulzeit. Obwohl sich sein älterer Bruder als Urheber bekannte, wurde Aiwanger für seinen Umgang mit der Affäre kritisiert.
Die „Unabhängigen Bürger“ betonen, dass sie eine unabhängige Vereinigung sind, die für das Wohl der Gemeinde eintreten möchte, ohne dabei einem festgelegten Parteiprogramm verpflichtet zu sein. Trotz der Namensänderung bleiben sie jedoch Mitglied im Kreisverband der Freien Wähler Aschaffenburg.
Bereits im Oktober hatte sich der Ortsverband der Freien Wähler in Schöllkrippen von Hubert Aiwanger distanziert, insbesondere von seinen als unangemessen und populistisch empfundenen Äußerungen. Die Kritik an Aiwanger bezieht sich nicht nur auf die Flugblatt-Affäre, sondern auch auf seine umstrittene Rede gegen das Heizungsgesetz auf einer Kundgebung in Erding.
Trotz der innerparteilichen Kritik und der Vorwürfe gegen Aiwanger hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an ihm festgehalten und ihn erneut in sein Kabinett berufen. Aiwanger bleibt Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sowie stellvertretender Ministerpräsident.
Die Namensänderung der Freie Wähler-Gemeinschaft Schöllkrippen zu den „Unabhängigen Bürgern“ markiert einen Schritt zur Distanzierung von kontroversen Ereignissen und betont die Unabhängigkeit der Gruppierung in lokalen Angelegenheiten.
