Die SAP, bisher als einer der attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands bekannt, steht vor Veränderungen, die einen Kulturkampf in ihrem Walldorfer Hauptquartier auslösen. SAP-Chef Christian Klein plant die Einführung eines Bewertungssystems namens „Winning Culture“, um eine leistungsorientierte Kultur mit mehr Fluktuation zu schaffen. Dabei sollen Mitarbeiter in die Kategorien „Performer“, „Achiever“ und „Improver“ eingeteilt werden, basierend auf bisher unbekannten Kriterien. Dies ermöglicht finanzielle Belohnungen für herausragende Leistungen.
Aktuell verhandeln Betriebsrat und Konzernführung über die Umsetzung dieses neuen Systems, das den bisherigen Ansatz „SAP Talk“ ersetzen soll. Dieser beruht auf einem kontinuierlichen Dialog zur persönlichen Entwicklung zwischen Vorgesetzten und Angestellten. Die Umstellung stößt auf Widerstand, und es herrscht bereits ein „Kulturkampf“ innerhalb des Unternehmens.
Andreas Hahn, Vorsitzender des Betriebsrats des europäischen Arms der SAP, äußert Bedenken, dass die Neuerungen dazu dienen könnten, Geld auf weniger Personen zu konzentrieren und durchschnittliche Mitarbeiter abzuspeisen. Der „Improver-Prozess“ könnte dazu genutzt werden, Menschen aus dem Unternehmen zu drängen. Eine ehemalige SAP-Führungskraft warnt vor einer Misstrauenskultur, die durch diese Bewertungssysteme entstehen könnte.
Die geplante Rückkehr ins Büro verschärft die Unruhe. SAP möchte, dass Mitarbeiter drei Tage pro Woche im Büro arbeiten, um den direkten Austausch und die Teamarbeit zu fördern. Dies steht im Gegensatz zum Trend des vermehrten Homeoffice und löst zusätzliche Unzufriedenheit aus. Der Rücktritt des Personalchefs Cawa Younosi könnte als Zeichen gegen diese neuen Vorgaben interpretiert werden.
Es bleibt abzuwarten, wie die Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Konzernführung verlaufen und welchen Einfluss diese Veränderungen auf SAPs Ruf als attraktiver Arbeitgeber haben werden.
