Seit Anfang Juli ist die Twitter-Alternative „Threads“ von Meta weltweit verfügbar, doch die Europäische Union war bisher ausgenommen. Am Donnerstag wurde jedoch bekannt gegeben, dass Threads nun auch in der EU nutzbar ist.
Die eng mit Instagram verbundene Plattform Threads von Meta kann nun auch von Nutzern in der Europäischen Union verwendet werden, und das, obwohl sie bereits vor fünfeinhalb Monaten weltweit gestartet wurde. Benutzer, die sich im Juli einen Account erstellt hatten, zu dem dann der Zugang versperrt wurde, können nun wieder darauf zugreifen. Neue Accounts können jetzt über die in Deutschland verfügbaren Apps für Android und iOS erstellt werden, jedoch gibt es hierbei noch einige Probleme. Durch einen Link unter dem Profilnamen in Instagram kann man direkt zu Threads wechseln. Threads ist jetzt fast überall auf der Welt verfügbar, abgesehen von gesperrten Regionen wie dem Iran und Russland. In Europa können die Inhalte auf Threads auch ohne Account eingesehen werden, aber es ist keine Interaktion möglich.
Kurz vor der Freigabe begann Threads mit ersten öffentlichen Tests zur Anbindung des Dienstes an das sogenannte Fediverse. Seitdem können Nutzer von Mastodon und anderen über das Protokoll ActivityPub verbundenen Diensten ersten Accounts folgen. Threads-Chef Adam Mosseri sowie andere Accounts funktionieren bereits über dieses Protokoll. Das Ziel ist es, nicht nur von anderen Diensten aus Threads-Konten zu folgen, sondern auch in umgekehrter Richtung Verknüpfungen zu ermöglichen. Mosseri gibt jedoch an, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis dies umgesetzt ist. Langfristig soll es auch möglich sein, einen Account zwischen den Diensten zu verschieben, einschließlich der Follower. Einige im Fediverse sehen diese Anbindung jedoch kritisch.
Threads wurde am 5. Juli weltweit freigegeben und verzeichnete innerhalb von Stunden Millionen von Anmeldungen. Innerhalb von fünf Tagen wurde die Marke von 100 Millionen Accounts erreicht. Obwohl die Zahl weiter gestiegen ist, ist es seitdem ruhiger geworden. Meta-Chef Mark Zuckerberg hat erklärt, dass Threads derzeit etwa 100 Millionen monatlich aktive Nutzer hat, und sein Ziel ist es, diese Zahl auf über eine Milliarde zu steigern. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Öffnung der App für den großen EU-Markt neues Interesse weckt.
Auch ein halbes Jahr nach der ersten Freigabe fehlen Threads noch grundlegende Funktionen, wie Direktnachrichten. Einige Funktionen wurden jedoch bereits hinzugefügt, darunter eine Version für den Webbrowser Ende August und die Möglichkeit, Beiträge innerhalb von fünf Minuten nach der Veröffentlichung zu bearbeiten. Audionachrichten, Umfragen und animierte GIFs können jetzt ebenfalls veröffentlicht werden. Bei den Updates orientiert sich Meta stark an X/Twitter, wobei zuletzt Hashtags eingeführt wurden, jedoch anders als bei der Konkurrenz: Pro Beitrag kann nur ein Thema festgelegt werden. Meta betont immer wieder, dass Threads nicht für Politik und News gedacht ist, die jedoch Hauptthemen auf X/Twitter sind.
Die Einführung von Threads in Europa wurde verzögert, da die Plattform in einigen Punkten nicht den wettbewerbsrechtlichen Vorgaben der Europäischen Union entsprochen hat. Ein Beispiel hierfür ist, dass ein einmal eingerichtetes Threads-Konto nun deaktiviert werden kann, ohne dass das damit verbundene Instagram-Konto ebenfalls aufgegeben werden muss. Threads kann nun auch passiv genutzt werden, ohne ein Profil, mit dem Beiträge veröffentlicht werden können. Die Anbindung ans Fediverse könnte die Aufsichtsbehörden ebenfalls milder stimmen. Mit dem Eintritt in die EU könnte Threads zur wichtigsten Twitter-Alternative werden. Hierzulande hat vor allem Bluesky von den Skandalen bei X/Twitter profitiert, während Mastodon nicht mehr gewachsen ist.
Es bleibt abzuwarten, wie groß das Interesse an der Twitter-Alternative von Meta hierzulande sein wird. Laut der jüngsten ARD/ZDF-Onlinestudie haben etwa 4 Prozent der Deutschen Twitter täglich genutzt, und diese Zahl ist gegenüber dem Vorjahr nur leicht gesunken. Das Interesse liegt damit etwa auf dem Niveau von Pinterest und deutlich unter dem von Snapchat, TikTok, Facebook und Instagram. Am häufigsten nutzen den Kurznachrichtendienst die 14- bis 19-Jährigen und die 30- bis 39-Jährigen (jeweils 8 Prozent). Mastodon hat es in diesem Jahr erstmals in die Liste geschafft, ein Prozent der Deutschen nutzt den Kurznachrichtendienst mindestens täglich.
