Die Bundesregierung strebt an, die Digitale Souveränität zu stärken und sich von proprietären IT-Produkten zu lösen. Jedoch zeigt eine Ausschreibung des Beschaffungsamts, dass stattdessen 774 Millionen Euro für iPhones und iPads in der Bundesverwaltung investiert werden sollen. Dieser Blog-Beitrag analysiert neutral die Entscheidung und ihre möglichen Auswirkungen auf die Digitale Souveränität.
Ausschreibung und Budget: Die Bundesregierung plant, mobile Endgeräte von Apple für die Bundesverwaltung zu beschaffen und akzeptiert dabei den sogenannten Vendor Lock-in. Die Ausschreibung des Beschaffungsamts beläuft sich auf 774 Millionen Euro und umfasst Geräte, Zubehör sowie Support und Weiterentwicklung. Im Vergleich dazu sieht der Haushalt für 2024 lediglich 3 Millionen Euro für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung vor.
Sicherheitsbestätigung durch BSI: Das Bundesamt für Sicherheit und Information (BSI) hat iPhone und iPad für die behördeninterne Kommunikation als sicher eingestuft. Die Wirksamkeit der Sicherheitsmechanismen wurde bestätigt, ermöglicht einen sicheren Austausch vertraulicher Informationen und gilt besonders für als Verschlusssache klassifizierte Inhalte.
Indigo-Projekt des BSI: Das Ergebnis dieser Sicherheitsbewertung ist das „indigo“-Projekt, das für „iOS Native Devices In Government Operation“ steht. Dieses Projekt zielt darauf ab, mobile Endgeräte in der öffentlichen Verwaltung sicher zu nutzen. Es beinhaltet ein gehärtetes Betriebssystem in iPhone und iPad sowie ein Mobile Device Management (MDM) zur zentralen Verwaltung der Geräte durch Administrator:innen.
Vendor Lock-in als Nebeneffekt: Die Nutzung des indigo-Projekts schließt die Verwendung zusätzlicher Software, Apps und Hardware aus, was zu einem Vendor Lock-in führt. Der Bund bindet sich somit an Apples Hardware, Software und integrierte Apps, was im Widerspruch zum Ziel steht, die Digitale Souveränität zu stärken.
Widersprüche in der Strategie: Die Entscheidung, iPhones und iPads zu nutzen, steht im Kontrast zur Gründung des Zentrums für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) vor einem Jahr. Obwohl die Bundesregierung betonte, die Förderung von Open Source Software sei wichtig, wurden die Mittel für das ZenDiS im Haushalt 2024 reduziert. Die Ausschreibung des Beschaffungsamts stärkt hingegen die Zusammenarbeit mit Apple, mit einer Vertragslaufzeit bis Ende 2027 und einem Potenzial von 300.000 Endgeräten.
