Geheimtreffen in Potsdam: Braune IT und rechte Influencer

Ein kürzlich aufgedecktes Treffen in Potsdam wirft Licht auf die Verbindung von brauner Ideologie und digitalen Einflussmachern. Einer der Teilnehmer dieses Treffens war der IT-Unternehmer Christoph Hofer aus Thüringen, der in der Neonazi-Szene aktiv ist. Diese Enthüllung stammt aus einer Recherche von netzpolitik.org und CORRECTIV.

Auf den ersten Blick erscheint Christoph Hofer wie ein gewöhnlicher Unternehmer aus der thüringischen Stadt Ilmenau. Sein Name taucht in verschiedenen IT-Unternehmen als Gesellschafter oder Geschäftsführer auf. Darunter befindet sich die Zwei.GmbH, die sich auf E-Commerce-Lösungen spezialisiert hat, sowie weitere Unternehmen, die Online-Shops betreiben, darunter solche für Netzwerkspeicher.

Im Jahr 2021 erhielt Hofer mit seiner Firma Exomium GmbH einen Gründerpreis vom Thüringer Wirtschaftsministerium und der Europäischen Union. Auf öffentlichen Fotos der Preisverleihung sieht man ihn angeregt mit anderen Personen sprechen oder eine Urkunde und einen Blumenstrauß präsentieren.

Jedoch verbirgt sich hinter dem scheinbar erfolgreichen Unternehmer eine lange Geschichte als Rechtsradikaler. Hofer war Bezirksvorsitzender der NPD Niederbayern, kandidierte 2008 für die Partei im bayerischen Landtag und hat enge Verbindungen zu Neonazis. Bis mindestens 2015 war er Mitglied der rechtsradikalen NPD. Fotos auf NPD-Seiten zeigen ihn als Redner und Teilnehmer von Veranstaltungen der Partei.

Hofer versuchte sogar rechtlich gegen ein Foto vorzugehen, das ihn 2013 auf dem Weg zum politischen Aschermittwoch der NPD zeigte. Doch vor Gericht unterlag er 2018 in zweiter Instanz. Der Bayerische Jugendring, den er verklagt hatte, hatte Neonazismus in Niederbayern untersucht.

Trotz seines bürgerlichen Profils bleibt Hofer in Verbindung zur rechten Szene. Er nahm im November an einem Geheimtreffen in Potsdam teil, an dem neben Neonazis auch Mitglieder der CDU und der AfD teilnahmen. Die diskutierten Deportationspläne sorgen derzeit für bundesweite Empörung und Proteste.

Ein weiterer Teilnehmer des Treffens war Arne Friedrich Mörig, der Sohn von Gernot Mörig, der das Treffen organisierte. Arne Mörig, ehemaliger Müll-Lobbyist, plant laut Recherchen eine Agentur für rechte Influencer. Diese Agentur soll ein alternatives YouTube-Netzwerk aufbauen, das rechtsradikalen Content-Erstellern ermöglicht, Einnahmen zu generieren, obwohl sie von der Monetarisierung auf YouTube ausgeschlossen sind.

Die geplante Agentur soll den YouTubern exklusive Werbeverträge vermitteln, um die Monetarisierung ihrer Inhalte sicherzustellen. Zudem plant sie inhaltliche Kampagnen und Agenda-Setting für rechte YouTuber. Roland Hartwig, ehemaliger enger Berater von AfD-Chefin Alice Weidel, hat bereits in Aussicht gestellt, dass die AfD die Agentur mitfinanzieren könnte.

Die Enthüllungen werfen ein Schlaglicht auf die Verbindung von brauner Ideologie und digitaler Einflussnahme, während die Diskussion über ein mögliches Verbot der AfD weiter an Fahrt gewinnt.

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