Demo gegen rechts in München: „Ich glaube, hier beginnt etwas ganz Großes“

Am vergangenen Sonntagnachmittag versammelten sich Zehntausende Menschen vor dem Siegestor in München, um ein deutliches Zeichen gegen die AfD und Rechtsextremismus zu setzen. Die Kundgebung, eine der größten in München seit Jahrzehnten, musste aufgrund des enormen Andrangs nach nur Dreiviertelstunde aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden. Die Schätzungen zur Teilnehmerzahl variieren zwischen der Polizei mit rund 100.000 und den Organisatoren, die von etwa 250.000 Menschen sprechen.

Die Demonstration wurde von über 250 Organisationen und Gruppen initiiert, und anders als bei früheren Protesten wurde sie nicht von etablierten Institutionen, sondern von der Basis der Zivilgesellschaft organisiert. Politiker und Prominente, darunter Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) und Ehrenbürgerin Charlotte Knobloch, waren ebenfalls vor Ort.

Das vorzeitige Ende der Kundgebung führte zu emotionalen Momenten unter den Organisatorinnen und Organisatoren, insbesondere unter den vielen jungen Teilnehmern. Luc Ouali aus dem Orga-Team äußerte sich überwältigt und betonte, dass der enorme Zulauf nicht dazu führen sollte, dass sich die Menschen jetzt zurücklehnen.

Die Initiatoren griffen auf Redner zurück, die persönlich von der Politik der AfD betroffen sind, um die Proteste zu verstärken. Betiel Berhe, Anti-Rassismus-Trainerin und Buchautorin, stellte die Frage, wofür die Menschen stehen: Für die Privilegierten oder Schwachen? Für die Verschärfung des Asylrechts oder für die Würde des Menschen? Der Applaus der Menge war bei kritischen Passagen zu Ampel-Regierungspolitiken leiser.

Der Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum im Juli 2016, der als rechter Terrorakt eingestuft wurde, wurde von Angehörigen der Opfer auf der Bühne thematisiert. Sie betonten, dass der Rechtsterrorist ein Anhänger der AfD war. Die Demonstration endete mit einem starken Auftritt der Band Kafvka und dem Lied „Alle hassen Nazis“.

Die geplante Route der Protestierenden durch Schwabing wurde aufgrund des Andrangs und logistischer Herausforderungen abgeändert, aber viele Teilnehmer versammelten sich dennoch in der Potsdamer Straße. Die Demonstrierenden äußerten ihren Unmut über das Haus der Burschenschaft Danubia und forderten, es in eine Kita umzuwandeln.

Luc Ouali aus dem Orga-Team sieht die Proteste als Anfang von etwas Großem und kündigte einen bundesweiten Aktionstag am 3. Februar unter dem Motto „Wir sind die Brandmauer“ an. Die Frage eines möglichen AfD-Verbots werde voraussichtlich diskutiert, da dies Konsens unter den Teilnehmern sei. Die Stimmung nach dem Abbruch blieb trotz des Gedränges ruhig und entspannt, und viele Menschen trugen ihre Demo-Schilder weiterhin in der Innenstadt.

Hinterlasse einen Kommentar