Die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ haben nach über zwei Jahren beschlossen, ihre Strategie grundlegend zu ändern und auf Verkehrsblockaden zu verzichten. Diese öffentlichkeitswirksame, aber umstrittene Aktionsform wird zugunsten von „ungehorsamen Versammlungen“ und direkter Konfrontation von Politikern aufgegeben.
Die Motivation der „Letzten Generation“ basiert auf der Überzeugung, dass sie die letzte Generation ist, die den drohenden Klimakollaps noch aufhalten kann. Die Gruppe fordert von der Bundesregierung verstärkte Maßnahmen zum Klimaschutz, um die Lebensgrundlagen aller zu erhalten. Hierbei beziehen sie sich auf den Artikel 20a des Grundgesetzes, der den Staat in der Verantwortung für künftige Generationen sieht.
Die Aktivisten setzen konkrete Forderungen: Deutschland soll bis 2030 klimaneutral werden, ein Neun-Euro-Ticket einführen, einen Gesellschaftsrat etablieren und ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen einführen.
Die bisherige Vorgehensweise der „Letzten Generation“ umfasste 2021 einen Hungerstreik vor der Bundestagswahl und Verkehrsblockaden, die im April 2023 das Ziel hatten, den Verkehr in Berlin zu stillzulegen. Nun kündigten sie an, ab März zu „ungehorsamen Versammlungen“ aufzurufen und politische Entscheidungsträger direkt zu konfrontieren.
Die Organisationsstruktur der Gruppe ist hierarchisch, mit einem sechsköpfigen Führungsgremium, das alle strategischen Entscheidungen trifft. Die „Letzte Generation“ finanziert ihre Aktivitäten durch Spenden, wobei sie im Jahr 2022 über 900.000 Euro sammelten. Großspender, darunter Aileen Getty und Adam McKay, unterstützen die Bewegung.
Die „Letzte Generation“ geriet auch wegen einer Blockade in Kritik, bei der Rettungskräfte eine schwer verletzte Radfahrerin zu spät erreichten, was tragischerweise zu ihrem Tod führte. Kritik an ihrer Protestform kommt auch von anderen Klimaaktivisten, wie Luisa Neubauer von „Fridays for Future“, die zu einer strategischeren Herangehensweise aufruft.
In Bezug auf rechtliche Schritte durchsuchten die Behörden im Mai 2023 Wohnungen und Büros von „Letzte Generation“-Mitgliedern, da sie einer kriminellen Vereinigung beschuldigt wurden. Die Reaktion der Justiz wird von verschiedenen Juristen unterschiedlich bewertet, und der gesellschaftliche Konflikt spiegelt sich auch in über 3700 laufenden Verfahren wider. Oberstaatsanwalt Holger Brocke betont die Notwendigkeit einer schnellen Reaktion der Justiz, während der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, die Aktivisten im historischen Vergleich für harmlos hält.
