Die Bekämpfung von Steuervermeidung ist ein langjähriges Anliegen der EU. Trotzdem zeigen neue Erkenntnisse, wie es Unternehmen in Europa gelingt, Steuern zu umgehen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Reiseportal Booking.com.
Das niederländische Portal Booking.com zählt zu den führenden Hotelportalen weltweit. Mit Sitz in Amsterdam erwirtschaftet das Unternehmen seit Jahren Milliardengewinne, obwohl seine Dienstleistungen global erbracht werden. Interessanterweise versteuert Booking.com einen erheblichen Anteil seiner Einnahmen in den Niederlanden. Dies geschieht mithilfe einer speziellen Steuervergünstigung, der sogenannten „Innovation Box Tax“, die einen deutlich reduzierten Steuersatz ermöglicht. Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit äußert Bedenken darüber, dass Booking.com einen erheblichen Teil seiner Einnahmen als innovativ und forschungsbedingt verbucht. Eine exklusive Studie, die tagesschau.de vorliegt, analysiert die Steuerpraktiken von Unternehmen wie Microsoft, Alphabet und eben Booking.com.
Trautvetter hebt hervor, dass Booking.com einer der größten Steuerzahler in den Niederlanden sei. Allerdings besteht die Vermutung, dass die Steuerbehörden die Innovation Box Tax großzügig auslegen und normale Verwaltungsausgaben als Innovation akzeptieren, was gesetzlich nicht vorgesehen ist. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Booking.com in den Jahren 2011 bis 2022 fast drei Milliarden Euro an Steuern gespart hat, indem es die Steuervergünstigungen ausnutzte.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Gewinnverschiebung. Die italienischen und französischen Finanzbehörden zweifeln daran, ob Booking.com seine Tochtergesellschaften in diesen Ländern angemessen vergütet hat. Dies ist entscheidend, um die Steuern dort zu entrichten, wo die Gewinne erwirtschaftet wurden.
Booking.com betont, dass der Konzern in allen Ländern, in denen er tätig ist, alle Gesetze einhalte, einschließlich der Verpflichtung zur Zahlung aller anfallenden Steuern. Trotzdem wird der kontinuierliche Dialog mit den Steuerbehörden in anderen Märkten als nuanciert bezeichnet.
Die Diskussion um die Moral der Steuervermeidung durch große Konzerne ist angesichts der globalen Mindeststeuer von 15 Prozent, die 2021 von über 130 Staaten vereinbart wurde, weiterhin aktuell. Obwohl die Mindeststeuer als wichtiger Schritt angesehen wird, gibt es immer noch Ausnahmen und Schlupflöcher, die es Unternehmen ermöglichen, einen gerechten Steuersatz zu umgehen. Steuerexperten betonen, dass die weltweit profitabelsten Konzerne mit einer Mindeststeuer von 15 Prozent zahlen, während lokale Unternehmen oft einen höheren Steuersatz tragen müssen, nach wie vor ein Problem darstellt.
