Hass im Netz: Studie zeigt alarmierende Zahlen

Die Nutzung sozialer Netzwerke ist für viele Menschen zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden, aber eine neue Studie wirft ein beunruhigendes Licht auf die Erfahrungen vieler Nutzer. Das Bündnis aus der Vernetzungsstelle gegen Hate Speech (Nettz), der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur, Hate Aid und dem Verein Neue Deutsche Medienmacher*innen hat eine umfassende Studie mit dem Titel „Lauter Hass – leiser Rückzug“ veröffentlicht. Die Ergebnisse geben Anlass zur Sorge.

Die Studie, gefördert unter anderem durch das Bundesfamilienministerium, befragte 3000 Menschen zu ihren Erfahrungen mit Hass und Beleidigungen im Internet. Knapp die Hälfte der Befragten gab an, bereits Opfer von Beleidigungen geworden zu sein. Die Studienautoren fokussierten sich jedoch auch auf gruppenbezogenen Hass, darunter Rassismus, Frauen- oder Queerfeindlichkeit. Etwa jeder Vierte hat konkrete Übergriffe in Form von Hass oder digitale Gewalt, wie das unaufgeforderte Versenden von Nacktfotos, erlebt.

Besonders alarmierend ist, dass junge Frauen zwischen 16 und 24 Jahren, Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund sowie Homo- und Bisexuelle überdurchschnittlich häufig Opfer von Hass im Netz werden. Der Hass richtet sich am häufigsten gegen politische Ansichten, gefolgt von Aussehen, körperlicher und psychischer Gesundheit sowie dem Migrationshintergrund.

Interessanterweise erklärte nur knapp die Hälfte der befragten Internetnutzer, bereits Hassbeiträge gesehen zu haben. Dies könnte darauf hinweisen, dass nicht alle Beleidigungen von den Nutzern als Hass wahrgenommen werden. Direkt gefragt, ob sie selbst Ziel von Hass im Netz geworden seien, antworteten nur 15 Prozent mit Ja.

Die Studie legt auch offen, wie Betroffene mit Hass umgehen. Erschreckend ist dabei, dass viele Betroffene sich aus Debatten zurückziehen oder die Plattformen verlassen. Fast die Hälfte hört auf, das betreffende Netzwerk zu nutzen, und ein Drittel berichtet von psychischen Beschwerden und Problemen mit dem Selbstbild.

Das Bündnis „Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz“, das die Studie initiiert hat, fordert nun einen besseren Schutz für Betroffene, mehr Beratungsstellen, besser geschulte Strafverfolger und ein konsequenteres Vorgehen der Plattformbetreiber. Zusätzlich sollten Social-Media-Plattformen finanziell zur Verantwortung gezogen werden, indem sie einen Teil ihres Gewinns abtreten, um die gesellschaftlichen Kosten zu decken und entsprechende Maßnahmen zu finanzieren.

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