Die Auseinandersetzung zwischen Sicherheitsbehörden und Fußballfans über die Speicherung von Fan-Daten in Polizeidateien geht weiter. Unsere Recherche zeigt, dass nicht nur die umstrittene Datei „Gewalttäter Sport“ (GTS) schrumpft, sondern auch sogenannte Szene-kundige Beamte (SKB)-Dateien kleiner werden. Allerdings wirft eine Aussage aus Hessen die Frage auf, ob es eine neue Bund-Länder-Datei geben könnte, was für Fanvertreter:innen einen möglichen „weiteren Skandal“ bedeuten könnte.
Die GTS-Datei, die seit 1994 existiert und Fußballfans speichert, steht schon lange in der Kritik. Kritiker bemängeln, dass nicht nur verurteilte Gewalttäter:innen, sondern auch Personen mit laufenden Ermittlungsverfahren oder sogar bei einer einfachen Personalienfeststellung in der Datei landen können. Die gespeicherten Daten reichen von E-Mail-Adressen bis zu persönlichen Merkmalen wie Schuhgröße und Tattoos.
Die Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag Reformen für die GTS-Datei versprochen, doch diese sind aufgrund der bevorstehenden Europameisterschaft 2024 vorerst ausgesetzt. Die Fußball-EM bietet laut dem Bundesinnenministerium die Gelegenheit, Verfahren und Prozesse zu evaluieren und zu optimieren.
Obwohl die GTS-Datei in den letzten Jahren geschrumpft ist und Ende 2023 nur noch 5.613 Menschen erfasst waren (im Vergleich zu über 13.000 Personen im Jahr 2011), fordern Fanhilfen weiterhin die Abschaffung der Datei, da sie als „nicht datenschutzkonform“ und als Eingriff in die Privatsphäre der Fans betrachtet wird.
Neben der GTS-Datei sorgen auch die SKB-Dateien, die von vielen Bundesländern geführt werden, für Kontroversen. Diese Dateien, die von Szene-kundigen Beamten verwaltet werden, enthalten oft mehr Daten als die GTS-Datei und speichern Informationen wie Spitznamen, Treffpunkte und Reiserouten von Fußballfans. Trotz Kritik sind auch die SKB-Dateien geschrumpft, doch eine Aussage aus Hessen deutet darauf hin, dass eine neue Bund-Länder-Datei im Aufbau sein könnte.
Die Ungewissheit über eine mögliche neue Datei belastet das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Fanszenen und Sicherheitsbehörden. Vor der Europameisterschaft häuften sich gewaltsame Zusammenstöße, und die bevorstehende Großveranstaltung könnte zu weiteren Spannungen führen. Die Fanhilfen fordern Transparenz über bestehende Dateien und eine klare Offenlegung von Polizei und Innenministerien, während die Fans befürchten, dass eine neue Datei noch mehr Daten sammeln und Raum für Polizeiwillkür gegen Fußballfans schaffen könnte.
