Enthüllung: Jan Marsalek tarnte sich als orthodoxer Priester – Verbindung zu russischen Geheimdiensten aufgedeckt

Die spektakuläre Flucht des ehemaligen Wirecard-Managers Jan Marsalek nach Russland nimmt eine noch dramatischere Wendung: Neue Enthüllungen legen nahe, dass Marsalek sich unter dem Aliasnamen Konstantin Bajazow als russisch-orthodoxer Priester tarnte. Recherchen von ZDF frontal, dem „Spiegel“, dem österreichischen „Standard“ und der russischen Investigativplattform „The Insider“ deuten darauf hin, dass Marsalek möglicherweise jahrelang für russische Geheimdienste spionierte.

Im September 2020 übernahm Marsalek die Identität des Priesters Konstantin Bajazow, unterstützt von Personen aus dem Umfeld russischer Geheimdienste. Der echte Priester, der in der Stadt Lipezk südöstlich von Moskau lebt, ähnelt Marsalek optisch und teilt sogar das Geburtsjahr. Dies ermöglichte es Marsalek, unter dieser Identität zu reisen. Kopien seines neuen Passes, begleitet von einem Portraitfoto Marsaleks, liegen den Rechercheteams vor.

Die Recherchen deuten darauf hin, dass Marsalek seit Jahren Teil russischer Spionagenetzwerke war. Eine zentrale Rolle spielte dabei seine russische Geliebte Natalia Zlobina, die möglicherweise als „Honigfalle“ gezielt auf Marsalek angesetzt wurde. Zlobina öffnete Türen in Russlands Geschäftswelt und führte Marsalek in militärische und geheimdienstliche Kreise ein.

Stanislaw Petlinsky, der Marsalek mit hochrangigen Personen in Russland bekannt gemacht haben soll, gibt an, dass Marsalek besessen von der Spionagewelt sei. Petlinsky selbst betrachtet sich als „Sicherheitsberater“ und betont, dass Morde nie geplant waren. Allerdings bestätigt er, dass Marsalek während einer Reise nach Syrien im Jahr 2017 Kontakte zu hochrangigen Mitgliedern der Söldner-Truppe Wagner und dem Geheimdienstchef Anatoliy Karaziy knüpfte.

In Österreich halten die Behörden Marsalek für einen russischen Agenten. Ehemalige Mitarbeiter des österreichischen Verfassungsschutzes sollen für Marsalek spioniert haben, indem sie Daten über missliebige Personen beschafften. Marsalek wird auch verdächtigt, Wirecard für den Kauf von Teilen einer russischen Söldnerfirma genutzt zu haben.

Der Prozess gegen fünf Bulgaren, die von Marsalek beauftragt worden sein sollen, Anschlags- und Entführungspläne zu verfolgen, steht bevor. Marsaleks Verbleib bleibt weiterhin unbekannt, geschützt durch die russischen Geheimdienste. Der spektakuläre Fall wirft weiterhin viele Fragen auf und könnte sich als einer der aufsehenerregendsten Spionagefälle der letzten Jahre entpuppen.

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