Die jüngste Festnahme der ehemaligen RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin wirft nicht nur Fragen zur Sicherheit auf, sondern auch zu den weitreichenden Auswirkungen von Gesichtserkennungs-Software im Internet. Die ARD-Recherche, die zur Aufspürung von Klette führte, enthüllte die Verwendung einer Gesichtserkennungs-Software namens PimEyes, die öffentlich zugänglich ist und mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) im Internet nach Gesichtern sucht.
Die Entdeckung von Daniela Klette durch den Journalisten Michael Colborne wirft einige bedeutsame Fragen auf. Die Geschwindigkeit, mit der er die Gesuchte mithilfe von PimEyes aufspürte, stellt die Effizienz von öffentlich zugänglichen KI-Tools in den Vordergrund. In diesem Fall fand Colborne nicht nur Bilder von Klette auf der Website eines Sportvereins, sondern auch ein Facebook-Profil unter dem Pseudonym Claudia Ivone. Dieses schnelle Ergebnis wirft die Frage auf, warum die Behörden, die 30 Jahre erfolglos nach Klette suchten, nicht ähnliche Technologien einsetzten.
Es wird angenommen, dass die Gesichtserkennungs-Software eine Schlüsselrolle bei der Festnahme spielte, obwohl die offizielle Bestätigung noch aussteht. Der Chef des Landeskriminalamts gab nach der Verhaftung lediglich an, dass es sich um einen „Hinweis aus der Bevölkerung“ handelte.
Die Software PimEyes, die für die Identifizierung genutzt wurde, wurde 2017 in Polen gegründet und gehört heute einem Unternehmen in Dubai. Trotz umstrittener Geschäftspraktiken und Datenschutzbedenken ist die Software weiterhin öffentlich zugänglich. Kritiker, darunter der Datenschutzbeauftragte Stefan Brink, haben PimEyes wegen seiner undurchsichtigen Methoden angeprangert, und es wurde sogar ein Bußgeldverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet.
Die Verwendung von Gesichtserkennungs-Software als Massenphänomen wirft grundsätzliche Fragen zur Privatsphäre im Internet auf. PimEyes kann öffentlich zugängliche Bilder analysieren und Verbindungen zwischen verschiedenen Aufnahmen herstellen. Der Fall Daniela Klette ist nicht das einzige Beispiel für den unerwarteten Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie. Im Herbst 2023 sorgte ein TikTok-Account für Aufsehen, als er Aufnahmen von Taylor-Swift-Konzerten in die Software lud und Besucher identifizierte, was zu Millionen von Zuschauern auf der Plattform führte.
Die Geschichte von Daniela Klette wirft somit nicht nur ein Licht auf Fahndungserfolge, sondern auch auf die potenziellen Auswirkungen auf die Privatsphäre im Zeitalter fortschrittlicher KI-Technologien.
