Bayerisches „Genderverbot“: So bewertet es der Rechtschreibrat

Seit diesem Monat sorgt das bayerische „Genderverbot“ für kontroverse Diskussionen. Die Regelung untersagt die Verwendung geschlechtergerechter Sprache mit Sonderzeichen wie dem Gendersternchen in offiziellem Schriftverkehr von Verwaltung, Schulen und Hochschulen in Bayern. Doch wie bewertet der Rechtschreibrat diese Entscheidung?

Reaktion des Rechtschreibrats: Kein Verbot, keine Pflicht

Der Rechtschreibrat, ein zwischenstaatliches Gremium, das die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum sicherstellen soll, äußert sich nüchtern zu der Debatte. Sabine Krome, Geschäftsführerin des Rechtschreibrats, betont, dass das Gremium sich kein explizites Verbot gewünscht hätte. Zugleich sei jedoch auch keine explizite Verwendung der verkürzenden Sonderzeichen wie dem Gendersternchen gefordert. Die deutsche Rechtschreibung sei aus gutem Grund amtlich, und es solle sich auch in den Bereichen, für die die Orthografie gilt, daran gehalten werden.

Geschlechtergerechtes Schreiben ohne Sonderzeichen

Der Rechtschreibrat weist darauf hin, dass geschlechtergerechtes Schreiben auch ohne Sonderzeichen möglich ist. Beispiele dafür sind Formulierungen wie „Bürgerinnen und Bürger“ oder die Verwendung von geschlechtsneutralen Begriffen wie „Lehrpersonen“ oder „Studierende“. Solche Formulierungen sind mittlerweile weit verbreitet und tragen zur Anerkennung und Würdigung aller Menschen bei.

Kritik an der Bezeichnung „Genderverbot“

Sabine Krome kritisiert die Bezeichnung „Genderverbot“ und weist darauf hin, dass es zahlreiche andere Strategien für geschlechtergerechtes Schreiben gibt, die weniger rechtschreibschwierig und fehleranfällig sind. Sie betont, dass die Debatte zur Ruhe kommen sollte und wissenschaftliche Studien genauer geprüft werden müssen, bevor grundlegende Veränderungen vorgenommen werden.

Schulische Umsetzung und Ausblick

Das bayerische „Genderverbot“ beschränkt sich auf den dienstlichen Schriftverkehr in Verwaltung, Schulen und Hochschulen. Privat könne jeder schreiben, wie er wolle, betont Krome. Sie fordert jedoch eine einheitliche Umsetzung der Regelungen an Schulen im gesamten deutschen Sprachraum.

Was bedeutet Gendern?

Gendern bedeutet, eine geschlechtergerechte Sprache zu verwenden, die alle Menschen in die Sprache miteinbezieht. Ziel ist es, die Gleichbehandlung aller Geschlechter und Identitäten zum Ausdruck zu bringen. Im Deutschen wird oft das generische Maskulinum verwendet, was jedoch nicht alle Geschlechtsidentitäten einschließt. Es wird diskutiert, wie eine mehrgeschlechtliche Schreibweise aussehen könnte, die alle Geschlechter und Identitäten berücksichtigt. Bislang gibt es keine einheitliche Regelung, und der Rechtschreibrat beobachtet die Entwicklung weiterhin.

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