In den Weiten von TikTok hat die AfD einen deutlichen Vorsprung gegenüber anderen Parteien, wenn es darum geht, junge Menschen zu erreichen. Diese Tatsache hat Wissenschaftler dazu veranlasst, die Plattform als einen wichtigen Schauplatz für den demokratischen Diskurs anzuerkennen. Doch wie können andere politische Akteure diesem Trend entgegentreten?
Auf TikTok begegnen uns kurze Clips, die von politischen Botschaften bis hin zu humorvollen Anekdoten reichen. Die Plattform ist zum Schlachtfeld für den politischen Diskurs geworden, und die Kampagne #ReclaimTikTok versucht, genau das wiederherzustellen.
Politikberater Martin Fuchs warnt vor einer Dominanz der AfD auf TikTok und plädiert dafür, dass die politische Mitte die Plattform klug nutzt. Denn bisher seien AfD-Politiker besonders aktiv und erreichten mit populistischen Inhalten eine große Reichweite.
Politikwissenschaftler Julian Hohner bestätigt diesen Trend und betont, dass die AfD die Plattform deutlich effektiver nutzt als Parteien der Mitte. Lange Zeit hätten sich diese auf etablierte Kanäle verlassen, während die AfD den digitalen Raum eroberte.
Die Zahlen sprechen für sich: Die AfD hat mehr als 411.000 Follower und sieben Millionen Likes, während die SPD nur knapp 128.000 Follower und 2,4 Millionen Likes hat. Die Ignoranz gegenüber TikTok als relevantem digitalen Ort räche sich nun, so Fuchs.
TikTok hat über 22 Millionen Nutzer allein in Deutschland, darunter viele junge Menschen, die dort ihre politische Bildung suchen. Obwohl die Plattform eine Tendenz zu kontroversen und emotionalen Inhalten hat, besteht die Möglichkeit, auch demokratiefördernde Inhalte viral zu verbreiten.
Es bleibt abzuwarten, ob andere politische Akteure den Kampf auf TikTok aufnehmen und der AfD die Dominanz streitig machen können. In einer Welt, in der virale Videos ohne große Follower-Zahlen möglich sind, liegt die Macht im kreativen Umgang mit dem Algorithmus – eine Herausforderung, der sich die politische Mitte stellen muss.
