AfD-nahe „Volksfeste“: „Compact“ und „Freie Sachsen“ im Fahrwasser der rechtsextremen Partei

Die extreme Rechte hofft auf eine „patriotische Wende“ bei den Wahlen im Sommer und Herbst. Das Magazin „Compact“ veranstaltet deshalb AfD-nahe „Volksfeste“ – und die „Freien Sachsen“ wollen sich neben der Partei in Stellung bringen.

„Die Partei mit den drei Buchstaben“ steht im Mittelpunkt der Veranstaltungen, die das rechtsextremistische „Compact“-Magazin organisiert. Bei einem solchen „Volksfest“ in Sonneberg, Thüringen, verspricht man den Besuchern, die AfD „zum Anfassen“ dabei zu haben.

In einer Vorankündigung träumte „Compact“ bereits von „AfD-Alleinregierungen“ in Thüringen und Sachsen. Die Veranstaltungen sollen vor den Kommunal- und Landtagswahlen dort helfen, „wo die Kräfte der AfD nicht ausreichen“.

Obwohl das Bundesamt für Verfassungsschutz „Compact“ regelmäßig wegen der Verbreitung „antisemitischer, minderheitenfeindlicher, geschichtsrevisionistischer und verschwörungsideologischer Inhalte“ kritisiert, sieht sich das Magazin als größtes Medium „des Widerstands“.

Chefredakteur Jürgen Elsässer erklärt auf der Bühne, dass es 2024 darum gehe, „die da oben davonzujagen“. Die Bundesregierung nennt er „Vaterlandsverräter“. Die „Blaue Welle“ sei jedoch nur Werbung für eine „patriotische Wende“ in Deutschland, „kein Wahlkampf“, so Elsässer.

Die Relativierung hat einen Grund: Der AfD ging die Compact-Tour zu weit. Man wolle erreichen, „dass eine Zuordnung dieser Veranstaltungen zur AfD nicht möglich ist“, teilte der Parteivorstand dem ARD-Politikmagazin Kontraste mit.

Für Elsässer ist die AfD auch eine Geschäftsbeziehung. „Compact“ verkauft Sondermünzen und -hefte mit dem Konterfei von AfD-Politikern und schaltet Anzeigen für die Partei. Die Nähe zur AfD spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wider: Der silberne „Höcke-Taler“ kostet knapp unter 70 Euro.

Neben „Compact“ versuchen auch die „Freien Sachsen“, sich neben der AfD zu etablieren. Die rechtsextreme Partei propagiert offen einen „Umsturz“ und ist ein maßgeblicher Treiber hinter Corona- und Asyl-Protesten. Trotzdem wollen sie sich als möglicher Koalitionspartner der AfD positionieren.

Die „Freien Sachsen“ treten voraussichtlich bei den Kommunalwahlen in Sachsen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten an. Sie peilen zweistellige Ergebnisse an und wollen sogar stärkste Kraft in einigen Kommunen werden.

Das Potenzial dafür ist vorhanden: Bei den Landratswahlen 2022 erhielten die Kandidaten der „Freien Sachsen“ um die 10 Prozent der Stimmen – in einem Fall sogar 20. In einem Kreis, in dem die AfD nicht antrat.

Obwohl die AfD die „Freien Sachsen“ auf ihre Unvereinbarkeitsliste gesetzt hat, treten sie zusammen auf. Die Ambivalenz ist von beiden Seiten gewollt und hilft beiden, ihre Ziele zu erreichen.

Insgesamt zeigen diese Entwicklungen, wie stark die extreme Rechte in Deutschland inzwischen verankert ist und wie wichtig es ist, ihre Aktivitäten kritisch zu beobachten und entschieden dagegen vorzugehen.

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