In vielen deutschen Gemeinden läuft der Ausbau von Glasfaseranschlüssen alles andere als reibungslos ab. Bürgermeister wie Rüdiger Germeroth aus Zierenberg in Nordhessen beklagen sich über unzureichende Baumaßnahmen und mangelnde Kommunikation seitens der ausführenden Firmen. „Seit fast vier Jahren geht das so, alles aufgerissen, nur schlecht zugeschüttet, alles Murks“, ärgert er sich.
Das Problem ist nicht nur die mangelnde Qualität der Bauarbeiten, sondern auch die mangelnde Verkehrssicherheit. Kabelrollen, die am Straßenrand abgestellt sind, könnten herunterrollen und Unfälle verursachen. Doch die Zuständigkeit für die Verkehrssicherheit liegt bei den Baufirmen, nicht bei den Kommunen.
Dass die Kommunen oft machtlos sind, liegt an den Verfahrenserleichterungen, die im Telekommunikationsgesetz festgeschrieben sind. Alle lizensierten Anbieter haben freien Zugang zum Glasfaserausbau und damit zu den öffentlichen Wegen. Zwar sind die Telekommunikationsunternehmen verpflichtet, die Verkehrswege wieder instandzusetzen, doch in der Praxis hapert es oft an der Umsetzung.
„Bei manchen Subunternehmen fragt man sich, ob die jemals was mit Tiefbau am Hut hatten“, sagt Dieter Hornung, Bürgermeister in Burghaun, Osthessen. Die Verantwortung für die fachlich korrekte Ausführung liege bei den beauftragten Tiefbaufirmen, betont auch die Deutsche Telekom.
Doch nicht nur große Unternehmen wie die Telekom haben Probleme beim Glasfaserausbau, auch kleinere Anbieter wie das Unternehmen Goethel kämpfen mit Schwierigkeiten. Der Ausbau sei sehr komplex, erklärt Peter Raue, Baubereichsleiter von Goethel, und Fehler würden passieren.
In Deutschland sind derzeit mehr als 200 Glasfaserunternehmen aktiv, um den Breitbandausbau voranzutreiben. Denn trotz aller Bemühungen ist Deutschland beim Breitbandausbau noch immer eine gigantische Baustelle. Dabei wollte die Politik schon 1981 auf Glasfaser setzen. Doch lange Jahre wurde auf die bestehende Kupferkabelinfrastruktur gesetzt, was den Breitbandausbau enorm verzögerte.
Heute liegt Deutschland bei der Breitbandabdeckung auf Platz 36 von 38 OECD-Staaten. Doch es gibt auch Hoffnung: In etwa anderthalb Jahren soll bei der Hälfte der deutschen Haushalte die Zukunft mit Lichtgeschwindigkeit angekommen sein. Bis dahin müssen allerdings noch einige Baustellen beseitigt werden – im wahrsten Sinne des Wortes.
