Die Betreiber des „Pony“-Clubs in Kampen auf Sylt haben nach einem Vorfall mit Nazi-Parolen Morddrohungen erhalten. Auf ihrem Instagram-Profil berichteten sie zudem von üblen Beleidigungen. Ein Überwachungsvideo des Vorfalls zeigt die Geschehnisse aus einer anderen Perspektive.
Unangenehme Fragen und klare Antworten
Die Club-Chefs wenden sich direkt an ihre Kritiker: „An alle, die ständig fragen: ‚Hat man das nicht mitbekommen?‘ Ihr seht selbst, dass die Mehrheit auf dem Video ihren Spaß hat, während eine kleine Gruppe etwas skandiert, das mit unseren Grundwerten nicht vereinbar ist.“ Sie haben sich entschlossen, das Video zu veröffentlichen, um sich selbst, ihre Mitarbeiter und ihre treuen Gäste zu schützen.
Viral in den sozialen Medien
Seit Donnerstag verbreitet sich das Video in den sozialen Netzwerken. Darin ist zu sehen und zu hören, wie junge Menschen vor der „Pony“-Bar offenbar rassistische Parolen rufen. Viele Nutzer fordern von den Arbeitgebern der Beschuldigten eine klare Positionierung. Einige Unternehmen, darunter die Deutsche Bank und Vodafone, haben bereits reagiert und Konsequenzen für ihre mutmaßlich beteiligten Mitarbeitenden angekündigt. Zwei Personen wurden bereits entlassen.
Ermittlungen laufen
Die Polizei Flensburg ermittelt nun wegen Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei richten sich die Ermittlungen gegen die Personen, die auf dem Video die genannten Äußerungen tätigen. Erste Hinweise zu den beteiligten Personen werden verfolgt, und es ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Tatverdächtige hinzukommen.
Ein Verdächtiger entschuldigt sich
Ein Verdächtiger, der den sogenannten Hitlergruß gezeigt haben soll, hat sich in den sozialen Medien entschuldigt und von einem „ganz schlimmen Fehler“ gesprochen. Er habe sich bereits der Polizei gestellt. Die Staatsanwaltschaft Flensburg bestätigt, dass die Verdächtigen ein Vernehmungsangebot erhalten, sobald sie identifiziert sind.
Klarheit über die Konsequenzen
In der nur wenige Sekunden langen Aufnahme, die vom Pfingstwochenende stammt, rufen junge Männer und Frauen Parolen wie „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“. Die Staatsanwaltschaft Flensburg sieht die Parolen als strafbewehrt an. Bei Volksverhetzung droht eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten und maximal fünf Jahren. Das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen kann mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet werden.
Reaktionen aus der Politik
Bundeskanzler Olaf Scholz verurteilte die rassistischen Äußerungen scharf und nannte sie „eklig und nicht akzeptabel“. Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser, Vizekanzler Robert Habeck und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerten sich bestürzt und betonten, dass Rassismus nicht normalisiert werden dürfe.
Insgesamt zeigt dieser Vorfall auf schmerzhafte Weise, dass rassistische Einstellungen und Handlungen auch heute noch präsent sind und entschlossen bekämpft werden müssen. Die Betreiber des „Pony“-Clubs haben klar Stellung bezogen und hoffen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
