Altersarmut: Wenn die Rente nicht zum Leben reicht

Immer mehr deutsche Seniorinnen und Senioren sind von Altersarmut betroffen. Besonders Frauen sind gefährdet. Doch was sind die Gründe für dieses Problem und welche Lösungsansätze gibt es? Werfen wir einen genaueren Blick auf die Situation und die möglichen Auswege.

Was ist Altersarmut?

In Deutschland sprechen wir bei Armut in der Regel von relativer Armut, die sich im Verhältnis zum mittleren Einkommen der Gesamtbevölkerung ausdrückt. Eine Person gilt als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 60 Prozent dieses mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2022 lag dieser Schwellenwert für eine alleinlebende Person bei 15.000 Euro netto im Jahr, also 1.250 Euro im Monat. Während knapp 15 Prozent der Gesamtbevölkerung von Armut bedroht sind, liegt die Armutsgefährdungsquote bei Personen ab 65 Jahren mit etwa 20 Prozent deutlich höher.

Ursachen für Altersarmut

Die Altersvorsorge in Deutschland basiert auf drei Säulen: der gesetzlichen Rente, der staatlich geförderten Altersvorsorge (z.B. betriebliche Altersvorsorge, Riester-Rente) und der privaten Vorsorge (z.B. Aktien, ETFs, Lebensversicherungen). Altersarmut entsteht oft, wenn eine oder mehrere dieser Säulen fehlen oder unzureichend aufgebaut wurden. Häufige Gründe sind jahrelange Arbeit im Niedriglohnsektor, Teilzeitarbeit, fehlende oder nicht anerkannte Bildungsabschlüsse und unterbrochene Erwerbsbiografien, etwa wegen Krankheit oder Pflege von Angehörigen. Viele Menschen verdienen während ihres Erwerbslebens nicht genug, um privat vorsorgen zu können.

Wer ist besonders betroffen?

Frauen sind besonders stark von Altersarmut bedroht. In Deutschland erhalten sie durchschnittlich 46 Prozent weniger Rente als Männer. Dies liegt unter anderem am Gender-Pay-Gap und an der Care-Arbeit, die oft zu unterbrochenen Erwerbsbiografien führt. Westdeutsche Frauen sind besonders gefährdet, da sie aufgrund geringerer Erwerbsbeteiligung oft weniger Rente erhalten. Auch Soloselbstständige und Migrantinnen und Migranten sind oft schlecht abgesichert.

Folgen der Altersarmut

Viele von Altersarmut betroffene Rentnerinnen und Rentner arbeiten weiter, um über die Runden zu kommen. Doch wer dazu nicht mehr in der Lage ist, droht zu vereinsamen und gesundheitliche Probleme zu bekommen. Soziale Teilhabe wird oft unerschwinglich, was die Isolation verstärkt.

Lösungsansätze

Was kann gegen Altersarmut getan werden? Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, schlägt bessere Arbeitseinkommen, mehr Flexibilität beim Renteneinstiegsalter und Zuwanderung vor. Eine flexiblere Altersgrenze beim Renteneintritt würde das Rentensystem entlasten und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Zudem sollten Menschen, die länger arbeiten möchten, dies problemlos tun können. Wichtig ist auch, dass Menschen während ihres Erwerbslebens gut verdienen und möglichst Vollzeit arbeiten können.

Eine bessere Kinderbetreuung würde insbesondere Frauen ermöglichen, mehr und länger zu arbeiten. Zudem könnte eine verstärkte Zuwanderung dazu beitragen, die Sozialkassen zu stabilisieren und den Fachkräftemangel zu mildern.

Altersforscherin Ulrike Klammer empfiehlt, die betriebliche Altersvorsorge zu stärken und junge Menschen besser auf die private Vorsorge vorzubereiten. Eine Versicherungspflicht für Selbstständige könnte ebenfalls helfen, Altersarmut zu verhindern.

Fazit

Altersarmut ist ein komplexes Problem, das viele Facetten hat. Es erfordert ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen, um nachhaltig gelöst zu werden. Von einer besseren Entlohnung über flexiblere Renteneintrittsalter bis hin zu mehr Unterstützung für Familien und Zuwanderung – nur so kann gewährleistet werden, dass die Rente für alle ausreicht, um ein würdiges Leben im Alter zu führen.

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