In Aken im Landkreis Anhalt-Bitterfeld hat sich ein verstörender Vorfall ereignet: Drei Jugendliche sollen eine Ausgabe des „Tagebuchs der Anne Frank“ verbrannt haben. Zeugen beobachteten den Vorfall an einer Bushaltestelle, bei dem ein 15-Jähriger und zwei 16-Jährige das Buch zerstörten und Teile davon in einem Papierkorb verbrannten. Die Polizei und Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau informierten darüber am Donnerstag.
Wer war Anne Frank?
Anne Frank war ein jüdisches Mädchen, das sich zwischen 1942 und 1944 mit ihrer Familie in einem Hinterhaus an der Amsterdamer Prinsengracht vor den Nazis versteckte. Während dieser Zeit schrieb sie ihr weltberühmtes Tagebuch. Die Familie wurde verraten und von der Gestapo festgenommen. Anne starb 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen an Typhus, nur ihr Vater Otto Frank überlebte. Er veröffentlichte das Tagebuch seiner Tochter, das heute als Mahnmal gegen die Gräuel des Nationalsozialismus gilt und das Haus in Amsterdam wurde in ein Museum umgewandelt.
Ermittlungen wegen Verdachts der Volksverhetzung
Als die Polizei am Tatort eintraf, war das Feuer bereits erloschen. Die verbrannten Überreste wurden als eine Ausgabe des „Tagebuchs der Anne Frank“ identifiziert. Die Jugendlichen wurden nach dem Vorfall ihren Eltern übergeben. Gegen sie wird nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt.
Ein Rückblick: Buchverbrennung 2006 in Pretzien
Dieser Vorfall erinnert an ein Ereignis aus dem Jahr 2006, als in Pretzien bei einer öffentlichen Feier ebenfalls eine Ausgabe des „Tagebuchs der Anne Frank“ verbrannt wurde. Damals wurden fünf Männer zu jeweils neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Amtsgericht Schönebeck sah es als erwiesen an, dass die Männer die Tat während einer „Sonnenwendfeier“ gemeinsam geplant hatten. Sie wurden wegen Volksverhetzung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verurteilt. Die Tat sorgte bundesweit für Entsetzen.
Fazit
Die erneute Verbrennung des „Tagebuchs der Anne Frank“ zeigt, dass antisemitische Tendenzen leider noch immer in der Gesellschaft existieren. Solche Vorfälle verdeutlichen die Notwendigkeit von Aufklärung und Erinnerungsarbeit, um die Schrecken der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Ermittlungen werden zeigen, welche Konsequenzen die Jugendlichen für ihr Handeln tragen müssen. Klar ist, dass solche Taten nicht toleriert werden dürfen und ein entschlossenes Vorgehen gegen Volksverhetzung und Antisemitismus unerlässlich ist.
