Der Esoteriker-Prozess in München: Ein Blick in die Sternenkonstellationen der „Reichsbürger“

In München hat der Prozess gegen Prinz Reuß und seine mutmaßlichen Mitverschwörer begonnen. Die Gruppe soll einen Umsturz geplant haben, wobei Esoterik und Sternendeutung eine überraschend zentrale Rolle spielten.

Astrologie im Bundestag

Ruth L., eine 70-jährige Elektroingenieurin, ist eine der Hauptangeklagten. Ihre Aufgabe war es, durch astrologische Beratung die günstigen Zeitpunkte für den geplanten Umsturz zu bestimmen. Interessanterweise war Ruth L. bereits als astrologische Beraterin der ehemaligen AfD-Bundestagsabgeordneten Birgit Malsack-Winkemann tätig. Doch weder im Bundestag noch in der Verschwörergruppe schienen die Sterne auf ihrer Seite gewesen zu sein: Malsack-Winkemann konnte 2021 nicht erneut in den Bundestag einziehen, und die Gruppe wurde bei einer Großrazzia im Dezember 2022 festgenommen.

Das Ministerium für Transkommunikation

Ruth L. sollte im zukünftigen „Deutschen Reich“ das Ministerium für „Transkommunikation“ leiten, unterstützt von Thomas T., einem 60-jährigen Mitangeklagten, der sich selbst als Seher sieht. Beide sollten mit Hilfe kosmischer Erkenntnisse den neuen Staat unterstützen. Thomas T., der als die „rechte Hand“ von Prinz Reuß beschrieben wird, schweigt zu den Vorwürfen, während Ruth L. zwischen Aussagen und Widerrufen pendelt. In einer schriftlichen Erklärung räumte sie einige Vorwürfe ein, bestreitet jedoch, Straftaten begangen zu haben.

Eine bunte Mischung aus Esoterik und Verschwörungstheorien

Ruth L. und ihre Mitverschwörer sollen tief in die Verschwörungserzählungen der rechtsextremen „QAnon“-Bewegung verstrickt sein. Diese vermischen sie mit den Gedanken der „Reichsbürger“-Szene. QAnon-Anhänger glauben, dass eine geheime Elite Kinder foltert, um aus deren Blut ein Verjüngungselixier zu gewinnen, während „Reichsbürger“ die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland leugnen und das Kaiserreich wiedererrichten wollen.

Hellseher und Mediziner

Unter den Angeklagten befindet sich auch die Ärztin Melanie R., die in der Schattenregierung von Prinz Reuß das Ressort „Medizin“ übernehmen sollte. Sie wird beschuldigt, große Geldbeträge zur Finanzierung der Verschwörung bereitgestellt zu haben. Zudem soll sie in einem Vortrag über vermeintliche Veränderungen im Gehirn durch Corona-Impfungen referiert haben – eine These, für die es keine wissenschaftlichen Belege gibt.

Ein weiterer skurriler Aspekt ihrer Geschichte ist die geplante Untersuchung vermeintlicher Tagebücher eines jüdischen Arztes, der angeblich Auschwitz überlebt hat. Diese Tagebücher entpuppten sich jedoch als Fälschung.

Der Ursprung der Ermittlungen

Christian W., ein 46-jähriger Mann aus dem Erzgebirge, steht ebenfalls vor Gericht. Er gehörte zu den ersten Verschwörern, die der Polizei auffielen. Seine Verbindungen halfen, die Gruppe um Prinz Reuß aufzudecken. Die Ermittler vermuten, dass er eine Kontaktaufnahme zwischen verschiedenen „Reichsbürger“-Gruppen plante.

Viel Stoff für die Gerichte

Der Prozess in München ist der dritte dieser Art, nach ähnlichen Verfahren in Stuttgart und Frankfurt. Es geht um den geplanten bewaffneten Überfall auf den Bundestag und die Einsetzung einer neuen Regierung. Die Verteidiger werden vermutlich versuchen, die Aufteilung auf drei Gerichte zu verhindern, was bereits in den anderen Verfahren gescheitert ist.

Fazit

Die Mischung aus Esoterik, Astrologie und Verschwörungstheorien mag für Außenstehende kurios wirken, doch die Bedrohung durch solche extremistischen Gruppen ist real. Während wir über astrologische Beratungen und kosmische Erkenntnisse schmunzeln können, bleibt die ernsthafte Auseinandersetzung mit diesen gefährlichen Ideologien eine wichtige Aufgabe für Justiz und Gesellschaft.

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