Die AfD lässt derzeit politische Testballons steigen und erprobt, wie weit sie mit völkischem Denken in der Öffentlichkeit kommt. Dabei nutzt sie ausgerechnet die deutsche Fußballnationalmannschaft als Zielscheibe. Die konservative politische Landschaft sollte daraus Lehren ziehen.
Völkische Rhetorik im Fußball
Die AfD hat es sich zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, ob sich aus der Ablehnung der deutschen Fußballnationalmannschaft politisches Kapital schlagen lässt. Nachdem ZDF-Kommentator Oliver Schmidt beim EM-Auftaktspiel zwischen Deutschland und Schottland die deutsche Hymne mit „Einigkeit und Recht und Freiheit und vor allem Vielfalt“ ankündigte, reagierte die niedersächsische AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt mit scharfer Kritik. Sie schrieb auf Twitter: „Eure sogenannte Vielfalt sorgt für exorbitanten Anstieg von Gewalt, Auflösung des klassischen Familienbildes, sozialer Verwahrlosung und wirtschaftlichen Niedergang. Ein weiterer Grund, diese Deppenveranstaltung zu boykottieren.“
Maximilian Krah und Björn Höcke legen nach
Bereits zuvor hatte der AfD-Spitzenkandidat bei der Europawahl, Maximilian Krah, das DFB-Team als „politisch korrekte Söldnertruppe“ bezeichnet, die man ignorieren könne. Björn Höcke, Thüringens AfD-Vorsitzender, veröffentlichte zudem einen Artikel in der Schweizer Weltwoche, in dem er die Nationalmannschaft als Symbol für „Multikulturalismus, Gendermainstream und Klimarettung“ angriff. Besonders stieß ihm der französische Kapitän Kylian Mbappé auf, den er als Beispiel für heimatlose, ökonomisierte Sportler kritisierte. Diese kontrastierte er mit dem Bild des treuen, bodenständigen deutschen Spielers Karl-Heinz Körbel.
Der Vergleich mit Putin
Höcke und seine Parteikollegen scheuen nicht den Vergleich mit autokratischen Taktiken, die der russische Präsident Wladimir Putin verfolgt. Rüdiger von Fritsch, ehemaliger deutscher Botschafter in Moskau, bemerkte, dass Putin stets nach der Devise „Mal sehen, was geht“ handle. Er testet die Grenzen der politischen Provokation, um zu sehen, wie weit er gehen kann. Die AfD scheint diesen Ansatz zu übernehmen, indem sie die deutsche Nationalmannschaft und ihre multikulturellen Werte attackiert.
Risiko und Strategie
Eine kürzlich durchgeführte WDR-Umfrage ergab, dass 20 Prozent der Deutschen mehr weiße Spieler in der Nationalmannschaft sehen wollen. Die AfD versucht offenbar, diesen Resonanzraum für rassistische Ressentiments auszuloten. Doch der Angriff auf eine nationale Institution wie das DFB-Team birgt Risiken, insbesondere in konservativen und patriotisch gesinnten Kreisen. Diese könnten die Angriffe als Angriff auf ihre eigenen Werte und Institutionen sehen.
Konservative sollten aufmerksam sein
Die AfD stellt sich bewusst gegen die Nationalmannschaft und zeigt damit eine fundamentale Differenz zum Konservatismus auf. Konservative haben traditionell ein Herz für starke Institutionen wie Armee, Polizei und Gerichte, die für Gemeinschaft, Ordnung und Identität stehen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft, als Quasiinstitution, ermöglicht es, schwarz-rot-goldene Gefühle auf karnevaleske Weise auszuleben. Konservative sollten daher erkennen, dass jeder Nationalspieler mit Einwanderungsgeschichte ein Erfolg ist und sich nicht gegen das Team stellen.
Fazit: Eine Lektion für Konservative
Die aktuelle Rhetorik der AfD verdeutlicht, dass der Rechtsextremismus im Kern stets eine Bewegung ist, die auf dauerhafte Mobilisierung und Ressentiments setzt. Institutionen, die diesem Weg im Weg stehen, werden angegriffen – so wie die deutsche Fußballnationalmannschaft. Dies sollte insbesondere CDU und CSU daran erinnern, dass Rechtsextreme nicht nur gegen Liberale, Linke, Migranten oder Homosexuelle kämpfen, sondern auch den moderaten Konservatismus zerstören würden, wenn sie die Chance dazu bekämen. Wer sich bei der Heim-EM als Alternative gegen Deutschland präsentiert, verfolgt ein klares Ziel: den völkischen Autoritarismus voranzutreiben.
