Ein ungewöhnlich aufregender Morgen in Österreich: Die Wiener Staatsanwaltschaft ließ die Immobilien des bekannten Unternehmers René Benko durchsuchen. Dabei könnte es um Ermittlungen wegen Kreditbetrugs gehen.
Seit den frühen Morgenstunden läuft ein großer Polizeieinsatz in der Villa von René Benko in Innsbruck-Igls und in der Zentrale seines insolventen Unternehmens Signa in Wien. Auch das österreichische Spezialeinsatzkommando Cobra ist nach Angaben der Wiener Kronen-Zeitung vor Ort. Auf Fotos österreichischer Medien sind Polizisten in Uniform und Zivil, aber auch vermummte Einsatzkräfte in schusssicherer Weste zu sehen. Laut der Tageszeitung Heute finden auch an anderen Standorten von Signa Razzien statt. Sie sollen mittags abgeschlossen sein.
Benkos Anwalt Norbert Wess bestätigte den Einsatz. „Ja, es findet gerade eine Durchsuchung zwecks Sicherstellung von allfälligen Unterlagen zu den medial bereits transportierten Vorwürfen vor Ort statt“, teilte Wess schriftlich mit. Benko verhalte sich „kooperativ und konstruktiv“, wie ihm die Behörden bestätigt hätten. Die Polizei in Tirol und die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wollten sich auf Anfrage nicht dazu äußern.
Größte Pleite in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte
Augenzeugen haben laut Berichten beobachtet, wie Polizisten einen Metallcontainer mit rund 70 bis 80 Kilo Inhalt aus der Wiener Signa-Zentrale abtransportierten. Die etwa 6000 Quadratmeter große Villa in Igls soll von der Spurensicherung abgeriegelt worden sein. Auf dem Anwesen hatte Benko kurz vor der Insolvenz seines Immobilien- und Handelsunternehmens die „Blaue Grotte von Capri“ nachbauen lassen.
Die Insolvenz des Signa-Konzerns gilt als die größte Pleite in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte. Ende April wurde auch über das Vermögen Benkos ein Konkursverfahren eröffnet. 30 Gläubiger machten etwa zwei Milliarden Euro an Forderungen geltend, nur 47,3 Millionen davon wurden vorerst anerkannt.
Zu Benkos Projekten gehörten auch viele Immobilien in deutschen Großstädten, darunter der Elbtower in Hamburg, die Alte Akademie in München, das Luxuskaufhaus KaDeWe und die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof.
Ermittlungen wegen Kreditbetrugs
Benkos Signa-Holding meldete 2023 Insolvenz an. Im Frühjahr wurde bekannt, dass die Behörden im Zusammenhang mit der Insolvenz auch gegen Benko selbst ermitteln. Der Vorwurf lautet Betrug aufgrund mutmaßlichen Vortäuschens der Zahlungsfähigkeit bei der Verlängerung von Bankkrediten. Medienberichten zufolge geht es um einen 25-Millionen-Euro-Kredit einer österreichischen Bank, bei dessen Verlängerung im vergangenen Sommer Benko das Institut über die finanzielle Lage der Signa-Gruppe getäuscht haben soll. Benkos Anwalt hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.
Hintergrund der Ermittlungen soll eine Anzeige des Rechtsanwalts Johannes Zink sein. Danach soll Zink bestätigt haben, mehrere Strafanzeigen für verschiedene Geschädigte eingebracht zu haben. Dabei geht es um Betrug, Untreue und betrügerische Krida, was die betrügerische oder grob fahrlässige Herbeiführung der Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners bedeutet.
Verdacht auf Geldwäsche
Konkret besteht der Verdacht, dass Gelder von Banken und Investoren ausgeborgt worden seien, als die Signa-Gruppe bereits insolvent war. Dabei könnte Benko direkt involviert gewesen sein. In Deutschland bestätigte die Staatsanwaltschaft in München, wegen des Verdachts auf Geldwäsche im Zusammenhang mit der Signa-Gruppe zu ermitteln.
Die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) führt derzeit eine umfassende Untersuchung gegen René Benko und seine Signa-Gruppe durch. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, welche Konsequenzen diese Ermittlungen für den einst gefeierten Unternehmer und seine weit verzweigten Projekte haben werden.
Fazit
Während René Benko sich „kooperativ und konstruktiv“ verhält, bleibt abzuwarten, welche Beweise die Durchsuchungen zutage fördern. Sicher ist jedoch, dass diese Entwicklungen einen weiteren dramatischen Wendepunkt in der Geschichte der größten Wirtschaftsinsolvenz Österreichs darstellen.
