Wochenlang haben verschiedene Protestbündnisse ihre Demonstrationen gegen den AfD-Parteitag in Essen vorbereitet. Es könnten die größten Kundgebungen in der Geschichte der Stadt werden – und gleichzeitig der größte Polizeieinsatz.
Morgendämmerung mit Trompetenklang
Schon in den frühen Morgenstunden formieren sich Wasserwerfer, Hunderte Polizisten und zahlreiche Einsatzwagen rund um die Grugahalle. Der Grund ist klar: Die ersten Demonstranten sind früh auf den Beinen. Mit lautstarken Trompetengeräuschen bläst das Aktionsbündnis „Widersetzen“ zum ersten Protest. „Alerta Antifascista“ hallt es durch die abgesperrten Straßen.
Laut Polizei versuchte eine größere Personengruppe gegen 5:45 Uhr, eine Sperrstelle zu überwinden, was mit Pfefferspray und Schlagstöcken verhindert wurde. Der erste Tag verlief relativ friedlich, doch die Demonstrationen sind noch nicht vorbei.
Ein Stadtteil tanzt – aber nicht nur zum Spaß
Am Freitagabend herrschte Partystimmung in der Essener Innenstadt, allerdings nicht zum Feiern, sondern um ein Zeichen zu setzen. Tausende demonstrierten zur Technomusik und brachten ihre Meinung lautstark zum Ausdruck. Unter ihnen auch Hannah Hübecker, eine engagierte Medizinstudentin, die diesen Protest wochenlang mit organisiert hat. Für sie war die Zeit vor der Demo eine Mischung aus Essen, Schlafen und Organisieren. „Es ist großartig zu sehen, dass so viele ihre Meinung auf die Straße bringen,“ sagt sie.
Planung im Keller
Die Rave-Demo am Freitag, die bei Sonnenuntergang quer durch die Stadt zur Grugahalle führte, war nur der Auftakt. Dort hält die AfD an diesem Wochenende ihren Bundesparteitag ab. Die Demonstranten, überwiegend junge Menschen, trugen Plakate mit Botschaften wie „Nazis raus“ und „Hass hat keinen Platz in Essen“. Hübecker betont: „Diesen Parteitag wollen wir hier nicht haben. Und daher wollen wir auch gemeinsam laut sein.“
Das Aktionsbündnis „Gemeinsam laut“ hat sich das Ziel gesetzt, deutlich gegen die AfD Stellung zu beziehen. Mitte der Woche saßen die Mitglieder in einem Keller, um die Demoplanung für das Wochenende zu erörtern.
Persönliche Motivation und öffentliche Empörung
Hübecker hat auch eine persönliche Motivation: Aufgrund einer Behinderung ist sie auf einen Rollator angewiesen und fühlt sich durch die behindertenfeindlichen Aussagen der AfD persönlich angegriffen. „Es macht mich wütend und traurig, dass eine Partei wie die AfD so viele Stimmen erhält,“ sagt sie.
Die Polizei rechnet am Wochenende mit bis zu 80.000 Protestteilnehmern. Das Aktionsbündnis „Widersetzen“ hat Aktionen des zivilen Ungehorsams angekündigt, und die Polizei hat sich auf harte Durchgriffe vorbereitet.
Die Spannung steigt
Einige Anwohner in der Nähe der Grugahalle sind besorgt, manche Läden schließen sogar. Ein Anwohner meint: „Ich bin kein AfD-Wähler, aber auch die haben ein Anrecht auf einen Parteitag.“ Viele hoffen einfach, dass das Wochenende friedlich vorübergeht.
Sicherheit und Eskalation
Wegen der angemeldeten gewaltbereiten Linksextremen wird es der größte Polizeieinsatz in Essens Geschichte. Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel äußert ihre Besorgnis über die Sicherheitslage und betont die Notwendigkeit massiver Sicherheitsmaßnahmen.
Ein juristisches Tauziehen
Der Versuch der Stadt, der AfD den Mietvertrag zu kündigen, scheiterte. Oberbürgermeister Thomas Kufen von der CDU betont: „Wir brauchen diesen Parteitag in Essen nicht.“ Er verweist auf die 200.000 Einwohner mit Migrationshintergrund und die Spaltung, die die AfD verursacht.
Prominente Unterstützung
Auch der Chef des Essener Unternehmens Evonik und weitere Prominente wollen bei den Demonstrationen sprechen. Ein breites Bündnis von Zehntausenden wird klarstellen: Die AfD ist in Essen unerwünscht.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Proteste friedlich bleiben und ob die Stimmen der Demonstranten Gehör finden. Essen steht ein spannendes Wochenende bevor – hoffentlich mit einem friedlichen Ende.
