Die französische Parlamentswahl brachte eine unerwartete Wendung: Das vereinigte Linksbündnis gewann überraschend, während der rechtsradikale RN nur auf dem dritten Platz landete. Premierminister Gabriel Attal kündigte daraufhin seinen Rücktritt an.
Politische Umwälzung in Frankreich
Das links-grüne Bündnis hat bei der Parlamentswahl in Frankreich überraschend die Mehrheit der Sitze gewonnen. Nach ersten Prognosen kommt die Neue Volksfront auf 172 bis 215 von 577 Sitzen. Der rechtsradikale Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen, der auf eine absolute Mehrheit gehofft hatte, landete mit 115 bis 155 Sitzen hinter dem Regierungslager auf dem dritten Platz.
Keiner der drei Blöcke konnte eine absolute Mehrheit erreichen. Premierminister Gabriel Attal vom Mitte-Lager kündigte daraufhin seinen Rücktritt an: „Gemäß der republikanischen Tradition und meinen Prinzipien entsprechend reiche ich morgen meinen Rücktritt beim Präsidenten ein“, erklärte er in Paris.
Macron und die Herausforderung der Regierungsbildung
Präsident Emmanuel Macron, der bis 2027 gewählt ist, steht nun vor der Herausforderung, eine stabile Regierung zu bilden. Ob er den Rücktritt von Attal annimmt oder sein derzeitiges Kabinett als geschäftsführende Regierung vorläufig im Amt belässt, ist noch unklar. Macron rief in einer ersten Reaktion zur Zurückhaltung bei der Interpretation der Wahlergebnisse auf und betonte, dass die Frage nun sei, wer regieren und eine Mehrheit bilden könne.
Linksbündnis reklamiert den Wahlsieg
Jean-Luc Mélenchon, der Vorsitzende der französischen Linken, feierte das Ergebnis als großen Erfolg und forderte Premierminister Gabriel Attal zum Rücktritt auf. „Die Neue Volksfront ist bereit zum Regieren“, sagte Mélenchon und schloss Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit Macrons Lager aus. Sozialisten-Chef Olivier Faure sprach sich ebenfalls gegen eine Koalition mit dem Regierungslager aus und betonte die Verantwortung des Linksbündnisses, eine neue politische Ära einzuleiten.
RN und die Überraschung
Jordan Bardella, Chef des Rassemblement National, warf Macron vor, Frankreich „in die Arme der Linksradikalen gestoßen“ zu haben. Er kritisierte das „Bündnis der Schande“ und kündigte an, dass seine Partei ihre Arbeit weiter verstärken werde. Die Strategie der Regierungspartei und des Linksbündnisses, in über 200 Wahlkreisen ihre Kandidatur zugunsten des jeweils anderen zurückzuziehen, um den RN zu verhindern, war offenbar erfolgreich.
Hohe Wahlbeteiligung
Die Wahlbeteiligung war historisch hoch: Bereits am Mittag lag sie so hoch wie zuletzt bei der Parlamentswahl 1981, die auf die Wahl des Sozialisten François Mitterrand folgte. Drei Stunden vor Schließung der Wahllokale hatten rund 60 Prozent aller Berechtigten ihre Stimme abgegeben, im Vergleich zu 38 Prozent bei der letzten Parlamentswahl.
Politischer Stillstand droht
Das Regieren wird für Macron deutlich schwieriger werden. In der Assemblée Nationale gibt es nun drei politische Blöcke: Rechtsextreme und Konservative, das Mitte-Lager der Regierung und das Linksbündnis. Neuwahlen sind binnen eines Jahres ausgeschlossen. Macron könnte gezwungen sein, einen Premierminister aus den Reihen der Linken zu ernennen, was zu politischen Kompromissen führen würde.
Warnungen vor dem Erstarken der Rechten
Vor einem Erstarken der Rechtsextremen wurde landes- und europaweit gewarnt. Kylian Mbappé, Kapitän der französischen Fußball-Nationalmannschaft, hatte am Rande der Europameisterschaft in Deutschland seine Landsleute explizit dazu aufgerufen, dem RN die Stimme zu verweigern.
Angst vor Ausschreitungen
Der kurze Wahlkampf wurde von Gewalt überschattet. Laut Innenminister Gerald Darmanin kam es zu mehr als 50 tätlichen Angriffen auf Kandidaten und Wahlkämpfer. Luxusboutiquen entlang des Pariser Prachtboulevards Champs-Elysées hatten vor dem Wahlabend aus Furcht vor Ausschreitungen ihre Schaufenster verbarrikadiert. 30.000 Polizisten wurden mobilisiert, um für Sicherheit zu sorgen.
Die politische Landschaft in Frankreich hat sich mit dieser Wahl deutlich verändert. Es bleibt spannend, wie Präsident Macron und die verschiedenen politischen Lager in den kommenden Wochen und Monaten auf diese neue Situation reagieren werden.
