In den vergangenen Tagen ist der Bitcoin-Preis erheblich eingebrochen. Das liegt mutmaßlich auch an sächsischen Behörden – aber nicht nur.
Ein unverhoffter Geldsegen kann manchmal mehr Probleme als Freude bringen, wie der Freistaat Sachsen gerade feststellt. Vor einem halben Jahr kam Sachsen unerwartet zu einem Schatz von 50.000 Bitcoins und brachte damit die Krypto-Welt ins Wanken.
Vom Rekordhoch zum Kurssturz
Noch im April erreichte der Bitcoin mit über 73.000 US-Dollar seinen höchsten Wert. Doch kürzlich fiel der Kurs auf nur noch 58.000 US-Dollar – ein Verlust von knapp 20 Prozent in wenigen Wochen. Ein Grund dafür scheint der sächsische Bitcoin-Schatz zu sein.
Im Januar dieses Jahres stellten sächsische Ermittler 50.000 Bitcoins sicher, die dem ehemaligen Betreiber der illegalen Filmtauschbörse movie2k gehörten. Der Mann hatte seine Millioneneinnahmen aus Werbeverträgen in Bitcoin investiert, die zwischenzeitlich erheblich an Wert gewonnen hatten. Im Rahmen eines Gerichtsverfahrens übergab er die Bitcoins freiwillig an die Behörden in Sachsen.
Verkaufswellen aus Sachsen
Die Blockchain-Analyseplattform Arkham berichtet, dass „die deutsche Regierung“ zuletzt mehrfach Bitcoin in großem Stil verkauft habe, was den Kurs drückte. Allein am Montag wurden Bitcoins im Wert von knapp 143 Millionen Euro transferiert. Der Kryptoexperte Valentin Kalinov vom Frankfurt School Blockchain Center (FSBC) bestätigt den Effekt: „Der Verkauf von Bitcoins aus Sachsen hatte einen Einfluss auf den Preis.“
Das Bundeskriminalamt erklärt, dass Sachsen berechtigt sei, solche Verkäufe durchzuführen. Die Erlöse flössen dem Länderfiskus zu, in diesem Fall der sächsischen Staatskasse. Doch bei Anfragen, ob und weshalb Bitcoins verkauft wurden, verweist das sächsische Finanzministerium auf das Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, das wiederum an die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden verweist, die keine weiteren Auskünfte erteilt.
Rechtslage und Marktreaktionen
Der Verkauf der Bitcoins sei weder fahrlässig noch illegal gewesen, sagt Kalinov. Solche Aktionen seien gesetzlich vorgesehen, um Gelder zurückzugewinnen oder zu sichern. Normalerweise würden diese Verkäufe transparent und angekündigt durchgeführt, um den Markt nicht unnötig zu destabilisieren. Ob das in diesem Fall geschehen ist, bleibt unklar.
Langfristig dürften die Verkäufe dem Bitcoin-Preis nicht schaden. Historische Beispiele zeigen, dass solche Verkäufe zwar den Markt beeinflussen, aber oft nicht zu einem anhaltenden Preisverfall führen. Der Verkauf der Silk-Road-Bestände durch Strafverfolgungsbehörden führte ebenfalls zu keinen dauerhaften massiven Preisrückgängen.
Weitere Faktoren und Prognosen
Neben Sachsen gab es auch andere Faktoren, die den Bitcoin-Preis beeinflussten. Eine der ehemals größten Bitcoin-Börsen, Mt. Gox, zahlte kürzlich einige Gläubiger mit Bitcoins aus, was Bitcoin im Wert von knapp drei Milliarden US-Dollar auf den Markt brachte. Solche Ereignisse können einen erheblichen Einfluss auf den Markt haben.
Wie sich der Bitcoin-Preis weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten. Künftige Kurse hängen von vielen Faktoren ab, beispielsweise davon, inwieweit der Handel mit Bitcoin eingeschränkt wird. Zuletzt wurde diskutiert, ob die Europäische Kommission Bitcoin als umweltschädlich einstufen und damit das Mining in Europa verbieten könnte. Auch weitere Verkäufe aus Sachsen könnten den Kurs beeinflussen – zumindest wissen die Behörden nun, wie schnell das gehen kann.
