Die Butler Farm Show, ein traditionelles Fest in Pennsylvania, hat eine bewegte Geschichte, die bis ins Jahr 1947 zurückreicht. Ursprünglich als Pflügewettbewerb gestartet, dient sie heute der Förderung des gegenseitigen Verständnisses zwischen Bauern und Stadtbewohnern. Der Name der Veranstaltung leitet sich von der nahegelegenen Stadt Butler ab, die im Westen von Pennsylvania liegt, einem der berüchtigten Swing States. Bei den Präsidentschaftswahlen können hier oft nur wenige Stimmen den Unterschied machen.
Für Donald Trump war der Auftritt bei der Butler Farm Show ein scheinbares Heimspiel. Bei den Wahlen 2020 hatte er in Butler County einen deutlichen Vorsprung vor Joe Biden. Doch was als triumphale Rede geplant war, entwickelte sich zu einem chaotischen und tragischen Ereignis.
Bei Temperaturen über 30 Grad versammelten sich Tausende von Anhängern, um Trumps Rede zu hören. Mit einer Stunde Verspätung betrat Trump um 18:02 Uhr die Bühne, begleitet von den patriotischen Klängen von „God Bless the USA“. Die Menge jubelte, als er begann zu sprechen und auf eine Grafik über die Einwanderung in die USA hinwies. Doch was dann geschah, wird in die Geschichtsbücher eingehen.
Um 18:10 Uhr, nur wenige Minuten nach Beginn seiner Rede, fielen die ersten Schüsse. Trump, der sich in diesem Moment zur Seite drehte, wurde von einem Streifschuss am Ohr getroffen. Der Attentäter, der sich etwa 135 Meter entfernt auf dem Dach eines angrenzenden Gebäudes positioniert hatte, feuerte mit einem halbautomatischen Sturmgewehr vom Typ AR-15. Diese Waffe, die oft bei Massenschießereien in den USA zum Einsatz kommt, traf Trump nur knapp.
Doch warum konnten die Scharfschützen des Secret Service, die auf dem Dach eines nahegelegenen Gebäudes positioniert waren, den Attentäter nicht rechtzeitig ausschalten? Diese Frage beschäftigt derzeit viele Menschen. Laut FBI gelangte der Schütze unbemerkt auf das Dach einer Halle, die zu einem Betrieb gehört, der Maschinen und Ausrüstung zur Fertigung von Glas- und Plastikbehältern herstellt.
Auf einer Pressekonferenz erklärte der FBI-Leiter Kevin Rojek, dass es „überraschend“ sei, dass der Attentäter das Feuer eröffnen konnte, bevor ihn die Scharfschützen des Secret Service ausschalteten. Die Details müssten in den folgenden Ermittlungen geklärt werden.
Zeugenberichte werfen ein beunruhigendes Licht auf das Vorgehen der Polizei. Ein Zuschauer berichtete der BBC, dass er den Schützen Minuten vor den Schüssen auf dem Dach gesehen habe. Er habe versucht, die Polizei zu alarmieren, doch diese habe nur konfus reagiert. Ein anderer Zeuge, Ben Macer, sah den Schützen ebenfalls und informierte die Polizei, doch diese reagierte offenbar nicht schnell genug.
Als die Schüsse fielen, stürzten sechs Agenten des Secret Service auf Trump zu und schirmten ihn mit ihren Körpern ab. Sekunden später rief ein Agent: „Shooter is down!“, der Schütze war ausgeschaltet. Trotz der schnellen Reaktion der Sicherheitskräfte gelang es dem Attentäter, mindestens fünf Schüsse abzufeuern. Ein Zuschauer auf einer der Tribünen wurde tödlich am Kopf getroffen, zwei weitere erlitten lebensgefährliche Verletzungen.
Trump wurde, nachdem die akute Bedrohung gebannt war, zu einer gepanzerten Limousine geleitet. Die US-Medien sprechen bereits vom schwersten Sicherheitszwischenfall seit dem Attentat auf Präsident Ronald Reagan im Jahr 1981.
In den kommenden Tagen wird sich die Chefin des Secret Service, Kimberly Cheatle, im Repräsentantenhaus erklären müssen. Auch Vertreter des Ministeriums für Heimatschutz und des FBI sollen vorgeladen werden, um Antworten auf die vielen offenen Fragen zu geben. Wie konnte der Schütze unbemerkt auf das Dach gelangen? Warum waren weder Secret Service noch lokale Polizei auf dem Dach präsent? Und warum reagierte die Polizei so konfus auf die Hinweise der Augenzeugen?
Diese und weitere Fragen werden in den nächsten Wochen und Monaten die Ermittler beschäftigen. Bis dahin bleibt uns nur, auf eine gründliche Aufklärung zu hoffen und die richtigen Lehren aus diesem tragischen Ereignis zu ziehen.
