Faeser will Mittel für Afghanen-Aufnahmeprogramm stark kürzen: Ein Blick auf die Auswirkungen
Das Bundesaufnahmeprogramm für Afghanistan, einst als Rettungsanker für von den Taliban verfolgte Afghaninnen und Afghanen gedacht, steht vor drastischen Einschnitten. Bundesinnenministerin Nancy Faeser plant, die Finanzierung dieses Programms um fast 90 Prozent zu kürzen. Ein Vorhaben, das viele Betroffene und zivilgesellschaftliche Organisationen in Alarmbereitschaft versetzt.
Vom Rettungsanker zur Budgetkürzung
Das Bundesaufnahmeprogramm sollte seit Oktober 2022 monatlich bis zu 1.000 gefährdete Afghaninnen und Afghanen aufnehmen. Dieses Versprechen galt all jenen, die sich für Demokratie und Freiheit in Afghanistan eingesetzt hatten – gemeinsam mit Deutschland und seinen westlichen Verbündeten. Faeser hatte damals betont, dass Deutschland seine humanitäre Verantwortung ernst nehme, während Außenministerin Annalena Baerbock erklärte, man wolle den Menschen ein Leben in Freiheit und Sicherheit ermöglichen.
Die Realität sieht jedoch ernüchternd aus: Statt der geplanten 20.000 Personen haben bisher nur 533 den Weg nach Deutschland gefunden – weniger als drei Prozent der Zielvorgabe. Grund dafür seien laut Bundesinnenministerium die verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Faeser betonte gegenüber dem ARD-Magazin Panorama, dass die Sicherheit Deutschlands oberste Priorität habe.
Finanzierung unter Beschuss
Der Haushaltsentwurf des Bundesinnenministeriums, der heute im Bundestag vorgestellt wird, offenbart die geplanten Kürzungen. Konkrete Details zur Finanzierung und den betroffenen Bereichen wurden jedoch in der Regierungspressekonferenz nicht genannt. Das Auswärtige Amt hingegen betont, dass noch keine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Programms gefallen sei.
Zivilgesellschaftliche Organisationen reagieren alarmiert: In einem Brandbrief an die Bundesregierung fordern sie die Fortführung der Finanzierung. Ein abruptes Ende des Programms wäre aus ihrer Sicht ein fatales Signal und ein Bruch eines elementaren Menschenrechtsprogramms. Besonders in Islamabad, der Hauptstadt Pakistans, könnte sich die Lage dramatisch verschlimmern. Über 3.700 Personen, die bereits eine Aufnahmezusage haben, warten dort auf ihre Weiterreise nach Deutschland. Weitere 15.000 Menschen in Afghanistan wurden als schutzbedürftig anerkannt und hoffen auf eine Aufnahme.
„Wir haben unser Schutzversprechen gebrochen“
Elaha Hakim von der Nichtregierungsorganisation „Kabul Luftbrücke“ schildert die prekäre Situation: „Viele Familien haben alles aufgegeben, um nach Deutschland zu kommen. Jetzt sind sie in Pakistan besonders durch Abschiebungen bedroht.“ Hakim sieht in den Kürzungsplänen eine massive Gefährdung der Sicherheit dieser Menschen.
Innerhalb der SPD regt sich ebenfalls Widerstand. Ralf Stegner, Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zu Afghanistan, kritisiert die geplanten Kürzungen und betont, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Änderungsanträge könnten im parlamentarischen Verfahren eingereicht werden, das im Herbst beginnt. Stegner ist zuversichtlich: „Es muss und wird Änderungen geben.“
Humorvoller Ausblick
So bleibt abzuwarten, ob die geplanten Kürzungen am Ende wirklich durchgesetzt werden oder ob die Bundesregierung doch noch einen Weg findet, ihre humanitären Versprechen zu halten. Man könnte fast sagen, in der politischen Manege wird weiter jongliert – mit den Hoffnungen und Schicksalen vieler Menschen. Bleibt nur zu hoffen, dass am Ende keine Bälle fallen gelassen werden.
