Ein neues Kapitel in der US-Politik
Die Nominierung von Kamala Harris als Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten steht praktisch fest. Nach dem Rückzug von Präsident Joe Biden am 21. Juli haben sich die meisten Parteimitglieder bereits hinter Harris versammelt. Doch wie realistisch sind ihre Chancen, Donald Trump zu schlagen?
Der Weg zur Kandidatur
Nach Joe Bidens Rückzug war zunächst unklar, ob Kamala Harris als neue Kandidatin der Demokraten ins Rennen geht oder ob ein offener Parteitag mit mehreren Bewerbern stattfinden würde. Doch die Unterstützung innerhalb der Partei ist deutlich: Über 2200 der 4000 Delegierten haben bereits ihre Unterstützung für Harris zugesagt. Wichtige Figuren wie Bill und Hillary Clinton, Nancy Pelosi und zahlreiche Gouverneure haben sich hinter sie gestellt. Besonders bemerkenswert ist die schnelle Mobilisierung von Spenden: Innerhalb von 24 Stunden konnte Harris‘ Kampagne 81 Millionen US-Dollar sammeln – ein klares Signal der Geschlossenheit und Entschlossenheit der Demokraten.
Der Parteitag und die nächsten Schritte
Der Parteitag der Demokraten, die Democratic National Convention, findet vom 19. bis 22. August in Chicago statt. Schon Anfang August müssen sich die Delegierten in einem virtuellen Verfahren verbindlich auf einen Kandidaten festlegen. Obwohl theoretisch weitere Bewerber antreten könnten, gilt dies als nahezu ausgeschlossen. Entscheidend für Harris‘ Erfolg wird auch die Wahl ihres Vize-Kandidaten sein. Experten spekulieren, dass sie sich für einen weißen, gemäßigten Mann mit Regierungserfahrung entscheiden könnte, um ein ausgewogenes Team zu präsentieren. Kandidaten wie Roy Cooper, Josh Shapiro, Andy Beshear und Pete Buttigieg werden gehandelt.
Chancen gegen Donald Trump
In den Umfragen lagen die Demokraten zuletzt zurück, doch der Rückzug Bidens könnte die Chancen auf einen Wahlsieg verbessern. Stephan Bierling, Professor für internationale Politik, sieht Möglichkeiten, die Sache noch zu drehen. Kamala Harris hatte bisher Schwierigkeiten, bei den Wählern Beliebtheit zu erlangen. Nur drei von zehn Befragten trauen ihr laut einer Umfrage des AP-NORC Center for Public Affairs Research zu, einen guten Job als Präsidentin zu machen. Dennoch hat Harris gegen Trump bessere Chancen als Biden. Eine Analyse des US-Portals „The Hill“ zeigt, dass Harris zuletzt nur rund zwei Prozentpunkte hinter Trump lag. In einer aktuellen Ipsos-Umfrage führt Trump knapp mit 43 Prozent zu 42 Prozent.
Die Reaktionen der Republikaner
Die Republikaner kritisieren Bidens Rückzug scharf und sehen den Kandidatenwechsel als undemokratisch an. J.D. Vance, republikanischer Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, behauptet, Biden sei von einer kleinen Elite der Demokraten abgesetzt worden. Mike Johnson, Sprecher des Repräsentantenhauses, droht mit rechtlichen Schritten und fordert, dass Bidens Rückzug auch seinen Rücktritt als Präsident nach sich ziehen sollte, wenn er nicht mehr in der Lage sei, als Kandidat anzutreten. In einigen Bundesstaaten, wie Wisconsin, Georgia und Nevada, gibt es spezifische Vorschriften für einen Kandidatentausch, aber da Biden noch nicht offiziell nominiert war, dürften diese Klagen wenig Aussicht auf Erfolg haben.
Fazit
Kamala Harris steht vor einer großen Herausforderung, doch die Unterstützung innerhalb der Demokraten und die Rekordsumme an Wahlkampfspenden geben ihr einen starken Start. Ihre Chancen gegen Donald Trump sind besser als die von Joe Biden, aber es bleibt abzuwarten, wie der Wahlkampf verläuft. Eines ist sicher: Die US-Wahl 2024 verspricht spannend zu werden.
