Marco Buschmann, der deutsche Justizminister, ist ein methodischer Optimist. Er glaubt fest daran, dass sich die Dinge zum Besseren wenden lassen, wenn man Verantwortung übernimmt. In einem Interview mit ZEIT ONLINE spricht er über die aktuellen Maßnahmen zum Schutz des Bundesverfassungsgerichts und die Bedeutung dieser Institution in turbulenten Zeiten.
Methodischer Optimismus: Ein realistischer Ansatz
Buschmann beschreibt sich selbst als methodischen Optimisten. Dieser Ansatz bedeutet, sich auf mögliche Schwierigkeiten vorzubereiten und aktiv daran zu arbeiten, negative Folgen zu minimieren. „Natürlich können Dinge schiefgehen,“ sagt Buschmann, „aber methodische Optimisten sind nicht naiv. Sie wissen, dass Vorbereitung und aktive Gestaltung der Schlüssel zu positiven Veränderungen sind.“
Der Schutz des Bundesverfassungsgerichts
Buschmann und die Fraktionen der Ampel und der Union haben kürzlich Vorschläge zum besseren Schutz des Bundesverfassungsgerichts vorgelegt. Obwohl das Gericht derzeit breit akzeptiert ist und keine akute Gefährdung besteht, sieht Buschmann die Notwendigkeit, bewährte Grundsätze in der Verfassung abzusichern. Dies soll verhindern, dass zukünftige politische Mehrheiten die Struktur und Unabhängigkeit des Gerichts unterminieren.
Bedrohungen aus Osteuropa
Buschmann verweist auf Beispiele aus Osteuropa, wo Verfassungsgerichte unterminiert und ihre Unabhängigkeit angegriffen wurden. „In mehreren Staaten Osteuropas wurden die Verfassungsgerichte unterminiert,“ erklärt er. „Ähnliches könnte auch in Deutschland passieren, wenn wir nicht vorsorgen.“ Er nennt Beispiele wie die Erhöhung der Anzahl der Senate oder das Herabsetzen der Ruhestandsgrenze für Richter, um unliebsame Richter zu entfernen. Solche Maßnahmen könnten auch in Deutschland ergriffen werden, da die entsprechenden Regelungen bisher nur in einfachen Bundesgesetzen festgeschrieben sind.
Aufwertung der Verfassung
Das Vorhaben, die Struktur des Bundesverfassungsgerichts auf die Ebene des Verfassungsrechts zu heben, hat laut Buschmann nicht nur eine defensive, sondern auch eine offensive Seite. Im Jahr des 75. Jubiläums des Grundgesetzes ist es an der Zeit, die Verfassung zu stärken und anzuerkennen, wie wichtig das Bundesverfassungsgericht für die deutsche Verfassungskultur geworden ist. „Die Mütter und Väter des Grundgesetzes hätten mit dem Wissen von heute wahrscheinlich all die Dinge, die wir jetzt vorschlagen, schon damals ins Grundgesetz geschrieben,“ sagt Buschmann.
Ein Experiment, das sich bewährt hat
Das Bundesverfassungsgericht war bei seiner Gründung 1949 ein Experiment. Damals war noch unklar, wie sich diese Institution entwickeln würde. Heute wissen wir, dass das Experiment gelungen ist und das Gericht eine zentrale Rolle in der deutschen Demokratie spielt. Mit den aktuellen Vorschlägen will Buschmann dieses erfolgreiche Experiment weiter absichern und schützen.
Fazit
Marco Buschmanns Ansatz als methodischer Optimist und die vorgeschlagenen Maßnahmen zum Schutz des Bundesverfassungsgerichts zeigen, wie wichtig es ist, proaktiv auf mögliche Bedrohungen zu reagieren. Indem bewährte Grundsätze in der Verfassung verankert werden, soll die Unabhängigkeit des Gerichts langfristig gesichert werden. In einer Zeit sehr giftiger Debatten ist dies ein notwendiger und zukunftsweisender Schritt.
