Die CompuGroup Medical (CGM) gilt als eine echte Erfolgsgeschichte. Unter der Führung von Milliardär Frank Gotthardt hat sich das Unternehmen zu einem börsennotierten Milliarden-Konzern entwickelt. Doch hinter den glänzenden Fassaden brodelt es gewaltig. Eine Gewerkschaftsumfrage, die Business Insider vorliegt, zeigt ein alarmierendes Bild der Stimmung unter den Mitarbeitern.
Erfolg mit Schattenseiten
CGM verkauft Software an Ärzte, Krankenhäuser und Labore. Doch zuletzt geriet Gotthardt durch sein finanzielles Engagement für das rechte Nachrichten-Portal „Nius“ in die Schlagzeilen. Innerhalb des Unternehmens sorgte dies für Unruhe. Noch problematischer waren die internen Umstrukturierungen Anfang des Jahres, bei denen hunderte Stellen gestrichen wurden. Das prestigeträchtige Projekt „G3-Clinical“ droht zudem ein finanzielles Desaster zu werden. Als die Umsatzerwartungen im Juli drastisch gesenkt wurden, brach der Aktienkurs von 24 auf 16 Euro ein, ein Verlust von 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Eine Umfrage enthüllt die Unzufriedenheit
Eine von Gewerkschaftern durchgeführte Umfrage zeigt, wie schlecht die Stimmung bei den 9000 Mitarbeitern der CGM tatsächlich ist. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) sind unzufrieden, 19 Prozent davon sogar „äußerst unzufrieden“. Lediglich sieben Prozent der Angestellten sind „äußerst zufrieden“. Ein erschreckendes Bild für ein Unternehmen dieser Größe und Bedeutung.
Fehlende Strategie und Kommunikation
Einer der Hauptkritikpunkte ist die fehlende Transparenz bezüglich der Unternehmensstrategie. 67 Prozent der Mitarbeiter kennen die Unternehmensstrategie nicht, und von denjenigen, die sie kennen, können sich 67 Prozent nicht damit identifizieren. Ein Mitarbeiter schrieb anonym: „Ich stehe nicht dazu, Kunden moralisch verwerflich zu behandeln und Mitarbeiter als wertlos darzustellen.“
Unzufriedenheit mit der Bezahlung
Auch die Bezahlung ist ein großer Unzufriedenheitsfaktor. 70 Prozent der Befragten sind mit ihrem Gehalt unzufrieden. Nur ein Prozent der Mitarbeiter ist mit dem Gehalt sehr zufrieden. Positiver fallen hingegen die Bewertungen in den Bereichen Gesundheit am Arbeitsplatz (62 Prozent zufrieden) und Arbeitszeiteinteilung (44 Prozent zufrieden) aus.
Wunsch nach einem Betriebsrat
Besonders brisant ist das Thema Betriebsrat. Trotz der Unternehmensgröße gibt es keine umfassende Arbeitnehmervertretung. 80 Prozent der Befragten wünschen sich einen Betriebsrat, und 13 Prozent können sich sogar vorstellen, für den Betriebsrat zu kandidieren. Die CGM hat bisher keine klaren Aussagen zu einer möglichen Gründung eines Betriebsrats gemacht.
Kommunikationsdefizite
Die mangelhafte Kommunikation seitens der Geschäftsführung ist ein weiterer Kritikpunkt. Rund 70 Prozent der Mitarbeiter sind unzufrieden mit der internen Informationspolitik. Obwohl die Geschäftsführung betont, im engen Austausch mit den Mitarbeitern zu stehen, berichten Angestellte von einem deutlichen Kommunikationsdefizit. Früher gab es offene Townhalls, doch nach dem Weggang des ehemaligen CEO Dirk Wössner hat sich die Transparenz deutlich verschlechtert. Emojis, die in den Townhalls genutzt wurden, um Reaktionen zu zeigen, wurden abgeschafft, nachdem Mitarbeiter auf Aussagen des aktuellen CEOs Michael Rauch mit dem Tränen-Lach-Smiley reagierten.
Fazit
Die Ergebnisse der Umfrage und die Berichte der Mitarbeiter zeichnen ein düsteres Bild von der aktuellen Stimmung bei der CompuGroup Medical. Die Unzufriedenheit über die fehlende Strategie, mangelhafte Kommunikation und unzureichende Bezahlung sowie der Wunsch nach einem Betriebsrat deuten darauf hin, dass das Unternehmen erhebliche interne Probleme hat. Die Führung muss dringend Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu verbessern und das Vertrauen der Mitarbeiter zurückzugewinnen.
