Prävention gegen Jugendkriminalität: Rechtzeitig die Kurve kriegen

In der polizeilichen Kriminalstatistik zeigt sich ein besorgniserregender Trend: Immer mehr Kinder und Jugendliche geraten ins Visier der Strafverfolgung. Doch ein Projekt in Nordrhein-Westfalen versucht diesem Trend entgegenzuwirken – und das mit erstaunlichem Erfolg.

Markus Witalinski, Sozialpädagoge, weiß, dass nicht aus jedem Kind ein Engel werden kann. Dennoch gelingt es ihm und seinem Team immer wieder, Jugendliche auf den richtigen Weg zu bringen. Ihr Präventivprojekt in Duisburg, treffend „Kurve kriegen“ genannt, hat bereits viele Erfolge verbucht.

Wenn Jugendliche zum ersten Mal straffällig werden, ist das oft der Anfang einer gefährlichen Entwicklung. Im Schnitt sind sie gerade einmal 13 Jahre alt. Doch statt auf den üblichen Weg von Sozialstunden, Arrest oder gar Jugendgefängnis zu setzen, versucht Witalinski, diese Karriere zu verhindern. Er besucht regelmäßig betroffene Familien in Duisburg und geht in jeden Stadtteil.

Die Bandbreite der betroffenen Jugendlichen ist groß: Sie kommen aus verschiedenen sozialen Schichten und haben unterschiedliche Hintergründe. Doch für Witalinski ist das Nebensache. Er geht unvoreingenommen auf die Familien zu und bietet Hilfe auf freiwilliger Basis an.

„Kurve kriegen“ ist eine Initiative des NRW-Innenministeriums, die auf die Zusammenarbeit von Polizei, Jugendhilfe und Eltern setzt, sobald ein Kind das erste Mal straffällig wird. Ziel ist es, frühzeitig einzugreifen und gemeinsam Lösungen zu finden.

Hüseyin Cansay, pädagogischer Leiter eines Jugendzentrums in Köln-Chorweiler, bestätigt, dass Gewalt unter Jugendlichen zunimmt. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von einer gestiegenen Akzeptanz für Gewalt bis hin zu Bildungsnachteilen und Zuwanderung.

Trotz dieser Herausforderungen verzeichnet das Projekt „Kurve kriegen“ beachtliche Erfolge. Über 1.000 Jugendliche und ihre Familien konnten bereits unterstützt werden, und die Erfolgsquote liegt bei beeindruckenden 80 Prozent. Das bedeutet, dass die meisten Teilnehmer nach Abschluss des Programms keine weiteren Straftaten mehr begehen und nicht zu Intensivtätern werden.

Das Projekt erfordert Zeit und Engagement, aber die Ergebnisse sprechen für sich. Dank „Kurve kriegen“ können viele junge Menschen rechtzeitig die Kurve kriegen und eine kriminelle Karriere vermeiden.

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