Microsoft: KI lässt Emissionen um bis zu 40 Prozent steigen
Die ehrgeizigen Klimaziele von Microsoft, bis 2030 CO₂-neutral zu werden, stehen angesichts der aktuellen Entwicklungen auf wackeligen Beinen. Statt in Richtung Klimaneutralität zu marschieren, zeigt die Emissionskurve des Tech-Giganten nach oben – und das rasant.
Vom Klimaretter zum Klimasünder?
Der Boom rund um künstliche Intelligenz (KI) hat Microsofts CO₂-Bilanz ordentlich durcheinandergewirbelt. Im Fiskaljahr 2023, das vom Juli 2022 bis Ende Juni 2023 lief, verursachte Microsoft satte 15,4 Millionen metrische Tonnen CO₂-Äquivalente. Das ist ein erheblicher Anstieg im Vergleich zum Geschäftsjahr 2020, wo die Emissionen noch bei 11,9 bis 12,3 Millionen Tonnen lagen. Das entspricht einer Steigerung um 29 bis 40 Prozent – ein Plus, das mit den Klimazielen von 2020 wenig harmoniert.
Wasser und Strom – Der Energiehunger der KI
Parallel zum CO₂-Ausstoß ist auch der Wasserverbrauch kräftig gestiegen: von 4,2 auf 7,8 Millionen Kubikmeter. Und der Strombedarf? Der ist regelrecht explodiert. Innerhalb von drei Jahren schoss der Verbrauch von 11.284 auf 24.008 Gigawattstunden hoch. Der Silberstreif am Horizont: 98 Prozent des verbrauchten Stroms stammen aus zugekauftem Ökostrom.
Microsoft-Präsident Brad Smith erklärte in einem Interview mit Bloomberg, dass der Emissionsanstieg vor allem auf „neue Technologien“ zurückzuführen sei. Hiermit meint er insbesondere die Hardware, die für das Training und den Einsatz von KI-Algorithmen nötig ist – zum Beispiel in Rechenzentren für OpenAIs ChatGPT.
Hardware-Hunger begrenzt Emissionen
Interessanterweise könnte die Situation noch schlimmer sein. Die unzureichende Verfügbarkeit von Nvidias KI-Beschleuniger H100 hat den Bau neuer Rechenzentren gebremst. Hätte Microsoft mehr von diesen Hochleistungs-Chips bekommen, wäre der Ausbau der Rechenkapazitäten noch schneller vorangeschritten – und die Emissionszahlen noch höher.
Zukunftsprognosen und Investitionen
Die Weichen für die Zukunft sind bereits gestellt. In den ersten drei Quartalen des Fiskaljahres 2024 lagen die Investitionsausgaben (CapEx) bei 36,7 Milliarden US-Dollar – mehr als im gesamten vorherigen Fiskaljahr (31,9 Milliarden). Das Geld fließt größtenteils in den Bau neuer Rechenzentren und den Kauf von Serverhardware.
Microsoft unterscheidet zwischen direkt und indirekt verursachten Emissionen. Dank des Ökostroms sind die direkt verursachten Emissionen minimal und sanken sogar in den letzten drei Jahren. Die indirekten Emissionen hingegen – verursacht durch Kapitalgüter, die Herstellung gekaufter Güter und Dienstleistungen sowie die Verwendung verkaufter Produkte – machen den Löwenanteil aus.
Klimafreundliche Maßnahmen und Projekte
Der Bau von Rechenzentren benötigt enorme Mengen an Beton und Stahl, deren Herstellung klimaschädliche Gase freisetzt. Microsoft plant, künftig auf klimafreundlichere Materialien umzusteigen. Zusätzlich sollen verschiedene Umweltprojekte langfristig die CO₂-Bilanz verbessern. Geplant sind unter anderem Aufforstungsprojekte und Anlagen zur CO₂-Bindung aus der Luft, die in den nächsten 15 Jahren rund fünf Millionen Tonnen CO₂ binden sollen.
Fazit
Microsofts Weg zur Klimaneutralität ist steiniger als gedacht. Die rasante Entwicklung und der Ausbau der KI-Infrastruktur haben die Emissionsziele stark belastet. Doch mit verstärkten Bemühungen und innovativen Klimaschutzprojekten hofft Microsoft, die Kurve doch noch zu kriegen – wenn auch mit einem kräftigen Zwinkern in Richtung Zukunft.
