Am kommenden Wochenende wird es in Essen turbulent: Die AfD hält ihren Bundesparteitag in der Grugahalle ab und gleichzeitig sind zahlreiche Demonstrationen gegen die Partei geplant. Insgesamt werden rund 100.000 Menschen erwartet, die für Demokratie und Vielfalt auf die Straße gehen.
Wo wird es eng in Essen?
Wer am Samstag nicht zufällig in eine Demonstration geraten möchte, sollte bestimmte Bereiche in Essen meiden. Bereits am Freitagabend startet die Rave-Demo „Bass gegen Hass“ am Hauptbahnhof und zieht Richtung Grugaplatz. Am Samstag beginnen die Proteste ab 6 Uhr morgens rund um die Grugahalle, wo sich etwa 600 AfD-Delegierte treffen.
Ab 10 Uhr zieht ein Demonstrationszug unter dem Motto „Gemeinsam laut – Gesicht zeigen gegen Hass und Hetze“ vom Hauptbahnhof zur Grugahalle. Zusätzlich findet auf dem Messeparkplatz P2 ein „Markt der Möglichkeiten“ mit Bühnenprogramm und Konzerten statt. Die Polizei hat im direkten Umfeld des Messegeländes zahlreiche Kontrollstellen eingerichtet. Bewohner und Arbeitnehmer in den gesperrten Bereichen sollten einen Personalausweis oder eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers bei sich führen.
Auch der Nahverkehr wird beeinträchtigt sein. Der Verkehrsbund Rhein-Ruhr (VRR) warnt vor erhöhtem Fahrgastaufkommen, insbesondere an Bahnhöfen und Stationen in der Nähe der Grugahalle und in Dortmund, wo ein EM-Spiel stattfindet. Händler und Gastronomen in Rüttenscheid sind ebenfalls betroffen und befürchten Einbußen an dem Tag des Achtelfinal-Duells Deutschlands mit Dänemark bei der Fußball-EM.
Sicherheitslage in Essen
Die Stadt Essen rechnet nicht mit Auswirkungen auf andere Großveranstaltungen. Das Public Viewing auf dem Kennedy-Platz soll wie geplant mit 2.500 Fans stattfinden, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit.
Für die Polizei im Ruhrgebiet stellen die Demonstrationen eine große Herausforderung dar, besonders in Kombination mit dem Fußballspiel in Dortmund am Abend. Einsatzleiter Detlef Köbbel betont jedoch, dass die Polizei personell gut aufgestellt ist, um die Lage zu bewältigen. NRW-Innenminister Herbert Reul warnt vor gewaltsamen Störungen und rechnet mit etwa 1.000 gewaltbereiten Teilnehmern. Die Polizei werde sowohl den Parteitag als auch die friedlichen Proteste bei Bedarf „sehr robust gewährleisten“.
Themen auf dem AfD-Parteitag
Der zweitägige Bundesparteitag beginnt am Samstag um 10 Uhr. Ein zentrales Thema ist die Wahl eines neuen Bundesvorstands. Die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla bewerben sich um eine Wiederwahl als Doppelspitze. Sollte jemand den Antrag auf eine Einzelspitze stellen, müsste darüber zunächst abgestimmt werden.
Gegenkandidaten gibt es bisher nicht, und laut AfD-Vize Peter Boehringer gibt es kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg keine Wechselstimmung in der Partei. Mittel- bis langfristig könnte die Doppelspitze jedoch durch eine Einzelspitze mit einem Generalsekretär abgelöst werden. Weidel hat sich bereits positiv zu dieser Idee geäußert.
Weitere Diskussionsthemen auf dem Parteitag betreffen den misslungenen Europa-Wahlkampf, den Umgang mit Spitzenkandidat Maximilian Krah und die Außenpolitik. Ein Antrag fordert eine stärkere Emanzipation von der US-Außenpolitik und betont die Anerkennung berechtigter Sicherheitsbedürfnisse im deutschen Interesse. Russland wird zwar nicht explizit erwähnt, doch vielen Parteimitgliedern sind bessere Beziehungen zum Kreml wichtig.
Essen steht ein ereignisreiches Wochenende bevor, das nicht nur die Stadt, sondern auch die AfD und ihre internen Machtkämpfe prägen wird. Während die Partei ihren neuen Kurs festlegt, werden die Bürger auf den Straßen für ihre Überzeugungen eintreten. Es bleibt abzuwarten, wie die verschiedenen Akteure diesen Tag gestalten und welche langfristigen Auswirkungen sich daraus ergeben.
